Meuthens Rede zum Bundesparteitag in Köln: Ausdruck einer voranschreitenden Höcke-isierung der AfD

Jörg Meuthen hielt auf dem Bundesparteitag der AfD in Köln eine Rede, die sich in der rechten Blogosphäre einer großen Beliebtheit erfreut. Der frühere, vorgebliche ‚gemäßigte‘ Meuthen zeigt darin deutlich sein völkische Verständnis von Deutsch-Sein.
Er sagte u.a.:

„Wir wollen nicht zur Minderheit im eigenen Land werden, und sind es doch zu Teilen bereits.“

„Und wenn ich an einem Samstagmittag im Zentrum meiner Stadt unterwegs bin, mit offenen Augen, wissen Sie, was ich dann sehe? Ich sage das wirklich ohne jede Übertreibung: Ich sehe noch vereinzelt Deutsche.“

„Wenn wir den Hebel nicht jetzt und sehr entschlossen umlegen, dann ist die unwiderrufliche Veränderung unserer Heimat in gar nicht vielen Jahren in ein muslimisch geprägtes Land eine mathematische Gewissheit.“

Markus Frohnmaier (JA) trifft Martin Sellner (IB) in der Nähe von Stuttgart

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der „Jungen Alternative“, traf am 16. April 2017 in Stuttgart Martin Sellner, den posterboy der extrem rechten „Identitären Bewegung“.
Sellner und Frohnmaier
Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet in einem Artikel:

„Es klingelt, endlich. Markus Frohnmaier springt auf und eilt zur Tür. Der junge AfD-Politiker wartet auf Besuch, seit einer Stunde schon. Jetzt steht draußen breit grinsend ein Mann. „Servus!“, ruft der. Er trägt eine Sonnenbrille und ein dunkelblaues Polo-Shirt. Auf der Brust ein aufgesticktes Lambda-Zeichen, wie ein umgekehrtes V – es ist das Symbol der rassistischen Identitären Bewegung, der Mann ihr Abgesandter. „Schön, dass du da bist“, sagt Frohnmaier. Sie schlagen ein.
Markus Frohnmaier, 26 Jahre alt, ist Chef der AfD-Jugend „Junge Alternative“, etwa 1,70 Meter groß. Parteichefin Frauke Petry nennt ihn Kampfzwerg. Der Mann, dem er gerade die Tür geöffnet hat, ist Martin Sellner, 28 Jahre alt, Österreicher und Galionsfigur der Identitären im deutschsprachigen Raum. Frontmann einer jungen, völkischen Bewegung, deren deutscher Ableger vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Dass er ihm die Tür geöffnet hat, dass er ihm die Hand reicht, und dass er sicherstellt, dass eine Journalistin den Moment bezeugen und dokumentieren kann, muss als Kampfansage gewertet werden in einer Partei, die im Jahr der Bundestagswahl so verbissen um ihren Kurs kämpft wie seit zwei Jahren nicht mehr.“

Im Artikel wird auch beschrieben, dass Frohnmaier den Austausch mit der IB gern offiziell pflegen würde, aber deren Nennung im VS-Bericht dem im Wege stände.

Als Treffpunkt beschreibt der Tagesspiegel einen „kleinen Ort in der Nähe von Stuttgart“. Vermutlich ist Frohnmaiers derzeitiger Wohnsitz in Weil der Stadt gemeint.

Kritisches Porträt von Alice Weidel

Zusammen mit Alexander Gauland wurde Alice Weidel auf dem Bundesparteitag in Köln zur Spitzenkandidatin der AfD bei der kommenden Bundestagswahl gewählt.
Weidel als BTW-Spitzenkandidatin
Grund genug, um ein kritisches Porträt von Alice Weidel zu zeichnen:

Alice Weidel wurde 1979 in Gütersloh geboren und wohnt heute in Überlingen am Bodensee. Sie absolvierte ein Doppelstudium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth und promovierte über das chinesische Pensionssystem. Ihr Doktorvater Prof. Dr. Peter Oberender, Mitgründer und Hauptzeichner der AfD bzw. der AfD im Larvenstadium „Wahlalternative 2013“, plädierte dafür, dass Hartz-IV-Empfänger zur Verbesserung ihrer Finanzen ihr Organe verkaufen dürfen sollten
Nach ihrem VWL-Studium arbeitete sie fast sechs Jahre in China und später u.a. für Goldman Sachs und im Vorstandsbüro der Allianz Global Investors in Frankfurt.
Heute arbeitet sie als Internet-Unternehmerin und Start-Up-Beraterin.
Privat lebt sie mit einer Schweizerin in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und hat ein Kind adoptiert. Ein Lebensmodell, was von ihrer Partei verbal gerne mal marginalisiert wird und das nach dem Parteiprogramm benachteiligt werden soll.

Weidel ist seit 2015 Mitglied im AfD-Bundesvorstand und leitete bis Januar 2016 die Bundesprogrammkommission der Partei. Zudem kandidiert sie auf Platz eins bei der Bundestagswahl im Herbst 2017. Bei der Kampfabstimmung um den Vorsitz des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg konnte sich Weidel nicht gegen ihren Konkurrenten Ralf Özkara durchsetzen, der von Jörg Meuthen protegiert wurde. Im Bundesvorstand hatte sich Weidel für einen Ausschluss des Hardliners Björn Höcke stark gemacht, während Meuthen sich mit Höcke solidarisierte.

Weidel gilt als Vertreterin des nationalneoliberalen Flügels der Partei. Dafür steht auch ihre Mitgliedschaft in der Hayek-Gesellschaft, welche nach dem neoliberalen Vordenker Friederich August von Hayek benannt ist. Dessen Feindschaft gegen den Sozialstaat scheint Weidel zu teilen.
Zeitweise schmückte auch ein Hayek-Zitat die Facebook-Seite von Weidel.
Widel und Hayek-Zitat

Gute Kontakte zur „Neuen Rechten“
Weidel scheint über gute Kontakte zur so genannten „Neuen Rechten“ zu verfügen. Diese bezieht sich auf die antidemokratische Rechte der Weimarer Republik und ist derzeit in einen pragmatischen Flügel um die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und einen offen faschistischen Flügel um das „Institut für Staatspolitik“ gespalten. Weidel steht dem Flügel um die „Junge Freiheit“ (JF) nahe. Bereits im September 2015 besuchte sie die „Bibliothek des Konservatismus“, die ein thinktank der JF in Berlin darstellt. Für die „Bibliothek des Konservatismus“ trat sich auch am 20. Oktober 2016 als Referentin auf und auf der Frankfurter Buchmesse 2016 für die „Junge Freiheit“. Ebenso sprach sie beim Neujahrsempfang der JF am 25. Januar 2017.
Weidel für JF auf Frankfurter Buchmesse 2016
Für diese Wochenzeitung griff sie außerdem bereits als Gastautorin zur Feder, etwa in Ausgabe 44/2016.

Auch zur extrem rechten FPÖ hat Weidel keinerlei Berührungsprobleme, wie Weidel am 17. November 2016 in Leinfelden-Echterdingen durch einen gemeinsamen Auftritt mit dem FPÖ-Europaabgeordneten Harald Vilimsky demonstrierte.
Weidel und Vilimsky

Unter anderem durch die Ausnutzung ihrer Genderrolle als jüngere und hübsche Frau erscheint Weidel in den Augen vieler als scheinbar ‚gemäßigt‘. Sie wird auch deswegen gerne von ihre Partei vorgeschickt, so vertrat sie die AfD u.a. auch bei Markus Lanz.
Dabei gerät außer Acht, dass Weidel neben sozialchauvinistischen und neoliberalen Positionen, auch durchaus antimuslimische Positionen vertritt und das sie über keinerlei Berührungsängste zur extremen Rechten verfügt.

Fundstücke zur Südwest-AfD im Buch „Was will die AfD?“ von Justus Bender

In dem neuen Buch „Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland“ beschreibt Justus Bender auch den Konflikt um den antisemitischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon und die dahinter liegenden Motive:

„Viele von den Gedeon-Verteidigern gehören selbst zur Spezies jener, die sich mit radikalen Äußerungen angreifbar machen. Indem sie Sanktionen gegen Gedeon erschweren, verhindern sie, selbst eines Tages sanktioniert zu werden, nicht notwendigerweise für Antisemitismus, sondern für Äußerungen anderer Art, etwa gegen Muslime. Es ist unklar, welche Interpretation schlimmer wäre: Dass die Abgeordneten bewusst einen Antisemiten verteidigt haben. Oder dass sie einen Antisemiten verteidigt haben, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.“

(Seite 122)
Das hat laut Bender fatale Konsequenzen auch in anderen Fällen wie dem von Mandic:

„Führende Vertreter aus Baden-Württemberg sagen hinter vorgehaltener Hand ausdrücklich, dass wegen der Querelen im Fall Gedeon ein baldiges Ausschlussverfahren gegen Mandic unmöglich geworden ist. Es fehlt der Parteiführung an Autorität und an Energie. Schon das Hinausdrängen eines einzelnen, unbedeutenden Hinterbänklers mit antisemitischen Ansichten war zu einem Machtkampf zwischen zwei Parteivorsitzenden eskaliert. Jemand wie Dubravko Mandic wird deshalb auf lange Zeit unantastbar sein in Baden-Württemberg. Und mit ihm alle anderen, die man als Überzeugungstäter bezeichnen könnte.“

(Seite 81)

An anderer Stelle beschreibt Bender auch kritisch, die Anstellung von Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der „Jungen Alternative“, als Pressesprecher der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry:

„Wenn der SPD-Vorsitzende den jeweiligen Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten, die für gewöhnlich scharfe Kritik an ihrer Mutterpartei und deren Vorsitzendem äußern, als seinen Pressesprecher anstellen würde, wäre nicht nur von versuchter Käuflichkeit die Rede, die Jungsozialisten würden ihren Vorsitzenden wohl auch binnen kürzester Zeit abwählen. In der AfD aber scheinen solche Gesetzmäßigkeiten keine Geltung zu haben.“

(Seite 116)

Gedeons Buchhändler des Vertrauens

Auf seiner Homepage empfiehlt der antisemitische AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon aus Rielasingen-Worblingen bei Singen den Kauf seines Buchpamphletes „Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“ bei der „Bücherstube Rielasingen“.
Gedeon-Buch bei Bücherstube Rielasingen
Das ist kein Zufall, denn dieses Buchgeschäft wird von der Buchhändlerin Klaudia Kruck-Schaer aus Rielasingen-Worblingen betrieben. Klaudia Kruck-Schaer ist Beisitzerin im AfD-Kreisvorstand Konstanz.
Sie und ihr Mann, Tankred Schaer, waren auch Mitglied im Vorstand des hannoverschen
Ablegers der ultrakonservativen Psycho-Sekte „Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis“ (VPM). Die VPM wurde 1986 gegründet und 2002 offiziell aufgelöst, wobei Kritiker*innen Nachfolge-Strukturen identifizieren konnten.
„Klaudia Kruck-Schaer und Dr. Tankred Schaer, Rielasingen“ stehen auch unter der Trauer-Anzeige für Dr. phil. Annemarie Buchholz-Kaiser (1939-2014) in der FAZ vom 21 Juni 2014. Buchholz-Kaiser war Leiterin des VPM.

Klaudia Kruck-Schaer scheint auch weiterhin politisch aktiv zu sein. So nutzte sie ihre Buchhandlung auch zur Ausrichtung von Veranstaltungen mit rechten Referenten:
* Am 29. April 2013 fand in der Talwiesenhalle in Rielasingen eine Vorstellung des Buchs „Die Euro-Bombe wird entschärft“ durch seinen Autor Professor Dr. Wilhelm Hankel (1929-2014) statt. Organisiert von der „Bücherstube Rielasingen“.
Hankel trat bei diversen extrem rechten Gruppen auf und war Experte für die FPÖ.
Hankel bei FPÖ
* Am 9. April 2015 stellte Willy Wimmer in Rielasingen-Worblingen sein Buch „Wiederkehr der Hasardeure. Europa in Gefahr“ vor. Veranstalter war die „Bücherstube Rielasingen“.
Wimmer war 1976 bis 2009 CDU-Bundestagsabgeordneter ist aber seit einigen Jahren als Querfront-Aktivist unterwegs. Er schrieb u.a. für „KOPP-Online“.



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