Archiv für Dezember 2013

Rechte Hochschulgruppe in Tübingen aktiv

Seit geraumer Zeit existiert bei Facebook eine „Alternative für Deutschland – Hochschulgruppe Tübingen“ (AfD-HSG). Dahinter steckt der Hochschul-Ableger der neugegründeten Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), die im September bei der Bundestagswahl nur knapp an der 5%-Hürde scheiterte. In vielen Berichten wurde die AfD als rechts von der Union eingeordnet und einige Analysen klassifizierten sie auch als rechtspopulistisch. Zudem machten AfD-Funktionär/innen immer wieder durch rechte Parolen und eine rechte Polit-Vergangenheit auf sich aufmerksam. So schlossen sich aus der rechtspopulistischen und islamfeindlichen Kleinst-Partei „Die Freiheit“ mehrere hundert Mitglieder der AfD an und weitere kommen aus ähnlichen Polit-Formationen.

Historischer Rückblick: Die Rechten an den Hochschulen
Die Weimarer Republik kann als warnendes Beispiel dafür gelten, was passiert, wenn rechtes Gedankengut an den Hochschulen unter Studenten – Studentinnen gab es damals kaum – an Einfluss gewinnt. Damals bereiteten deutschnationale Studenten, darunter vor allem Mitglieder schlagender Studentenverbindungen (‚Waffenstudenten‘), den Nazis in Form der NS-Hochschulgruppe „Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund“ (NSDStB) den Weg. So auch in Tübingen, wo bereits früh der „Hochschulring Deutscher Art“ (HDA), eine völkische Sammlungsbewegung, gegründet wurde. Getragen wurde dieser maßgeblich von Korporierten. Der HDA hatte 1921 bereits 800 Mitglieder, wovon 80% Verbindungsstudenten waren. Der Beitritt von Korporationen geschah teilweise geschlossen (Franconia, Ghibellinia, Rhenania, Stochdorphia, Suevia, VDSt) bzw. mehrheitlich (Borussia, Derendingia, Eberhardina, Germania, Hohenstaufia, Palatia, Wingolf). Jüdische Mitglieder waren dabei unerwünscht: Die HDA-Vorgängerorganisation, der „Nationale Studentenbund“, beschloss 1920 den Ausschluss von Juden. Der HDA war die maßgeblich treibende Kraft als am 2. Juli 1925 hunderte rechtsradikal motivierte Studenten den Vortrag des Heidelberger Professors und Pazifisten Gumbel in Lustnau attackierten. Fünfzig Mann des Reutlinger Reichsbanners, eine SPD-Organisation, und die Gewerkschaftsjugend schützen den Referenten aber erfolgreich gegen 400 nationalistisch verhetzte Studenten. Der Pazifist Gumbel hatte sich den Hass der Nationalisten zugezogen, u.a. weil er in sorgfältig recherchierten Büchern die Verbrechen von nationalistischen Verbänden aufgelistet hatte.
Dass der spätere Professor Eschenburg damals der Vorsitzende des HDA war und damit auch verantwortlich für dessen demokratiefeindliches Wirken, wurde in der Kontroverse um ihn als Namensgeber eines Preises kaum erwähnt.

Nach 1968 hatten es Rechte an den Hochschulen recht schwer, da die meisten Universitäten eher links dominiert waren. Immer wieder kandidierten extreme Rechte auf den Listen der CDU-Hochschulgruppe „Ring Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS), dessen Ortsgruppen ohnehin nicht selten von konservativen Verbindungsmitgliedern dominiert wurden. Die fast schon regelmäßig auftauchenden Skandale um solche braunen RCDS-Kandidat/innen, nicht selten Burschenschafter, sind vor allem zum einen mit einer dünnen Personaldecke und zum anderen mit einer gewissen Toleranz gegen Rechtsaußen zu erklären. Auch versuchen sich RCDS und teilweise auch die „Liberale Hochschulgruppe“ (LHG) inhaltlich immer wieder an rechter Politik. Beispielsweise mit einer Anti-AStA-Polemik oder einer allgemeinen antilinken Politik. So warb z.B. der RCDS in Freiburg für sich mit der dümmlichen Parole „Fleisch statt Sozialismus!“ oder der RCDS in Bonn titelte 2013 „Mit uns gegen den Gender-Wahnsinn!“.
Daneben gab es immer wieder die Versuche von Rechten über eigene Listen in die AStAs und StuPas einzuziehen. Um sich zu tarnen geschah das manchmal unter ganz unverfänglichen Namen wie „Studentische Interessen statt Politik“ (Magdeburg, 2007, NPD-Tarnliste), „Studentengruppe Freies Denken“ (Halle, 2007, NPD-Tarnliste), die „Liste für demokratische Selbstbestimmung und Achtung Andersdenkener“ (Kiel, Republikaner-Tarnliste) oder die „Konventionelle Gruppe Berlin“ (Humboldt Universität Berlin, 2009, burschenschaftliche Liste). Andere Listen konnten bereits an ihrem Namen eingeordnet werden, wie z.B. die KoLi-Bri-Listen (konservativ-liberal-burschenschaftlich) an verschiedenen Hochschulen, „Die Heteros“ (Marburg) oder die „Konservative Liste“ (Trier, 1999). Diese Listen errangen zwar teilweise einzelne Sitze, konnten sich aber nie lange behaupten. Der letzte bekannte Versuch für Tübingen war die korporierte Tarnliste „Vollgas für Tübingen“, die 1997/98 für die AStA-Wahlen kandidierte.

Studigruppe der „Professoren-Partei“
Seit einiger Zeit existiert nun in Tübingen eine AfD-Hochschulgruppe, die auch bereits zwei Veranstaltungen organisiert hat, davon eine in Räumen der Universität. Wo nun ist die AfD-HSG politisch einzuordnen? Ihre Präsenz bei Facebook weist zwar noch unter 200 ‚Likes‘ aus, bietet aber einige Hinweise zu ihrer politischen Verortung an. So wurden mehrfach Online-Artikel der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) verlinkt. Die JF wird von ihren Kritiker/innen der „Neue Rechten“ zugeordnet, einer extrem rechten Strömung, die sich u.a. auf die antidemokratische „Konservative Revolution“ der 1920er Jahre bezieht. Weiterhin sind je ein Video mit Ewald Stadler von der rechtspopulistischen BZÖ aus Österreich und eines mit Nigel Farage von der ebenso rechtspopulistischen UKIP aus Großbritannien verlinkt. Die beiden Rechtsaußen-Europarlamentarier loben in den Beiträgen die Parteineugründung AfD, in der sie offenbar einen neuen Partner für sich sehen.
Eine genauere Betrachtung offenbart, dass sich in der AfD-HSG und der mit ihr offenbar stark personalidentischen „Jungen Alternative für Deutschland – Baden-Württemberg“ (JABW) vor allem Personen vom rechten Rand zu sammeln scheinen.
Frohnmaier, Markus
BILD: Markus Frohnmaier in der Kemmlerhalle in Betzingen

Exemplarisch lässt sich das am Beispiel des JABW-Vorsitzenden und Aktivisten der AfD-HSG zeigen. Markus Frohnmaier ist seit Mitte Juli 2013 Landesvorsitzender des Jugendverbandes der AfD und war zuvor beim CDU-Nachwuchs „Junge Union“ aktiv. In der Union war er auch der Koordinator für Schwaben der „Aktion Linkstrend stoppen“, die innerhalb der CDU für einen stramm rechten Kurs kämpft. Außerdem besuchte Frohnmaier dieses Jahr als AfD-Repräsentant zusammen mit anderen Jung-AfD-lern zwei Veranstaltungen des deutschnationalen „Studienzentrum Weikersheim“ (SZW). Dass SZW wurde vom ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (CDU) gegründet, um als „Reanimationszentrum für das gesamte deutsche Volk“ (so ein Mitbegründer) zu dienen. Laut Frohnmaier gibt es „große Gemeinsamkeiten zwischen der JA und dem Studienzentrum“.
Frohnmaier kandidierte auch auf dem AfD-Landesparteitag November 2013 als Stellvertretender Sprecher des Landesverbandes, wurde aber letztlich nur Beisitzer im Landes-Vorstand. In seiner Bewerbung vom 6. Oktober 2013 finden sich allerhand reaktionäre und rechte Positionen. Zum Thema Zuwanderung heißt es unter der Überschrift „Einwanderung steuern statt Konflikte befeuern!“ in rechtspopulistischer Manier: „Ein Großteil der Einwanderung nach Deutschland, etwa über den sogenannten Familiennachzug, erfolgt nach wie vor in die deutschen Sozialsysteme.“ Weiter schwadroniert Frohnmaier von einer angeblichen „‘Deutschenfeindlichkeit‘ unter ausländischen und ausländischstämmigen Kindern und Jugendlichen in Form von ethnisch motivierten tätlichen Angriffen auf Einheimische.“ Der Begriff „Deutschenfeindlichkeit“ ist eine Vokabel aus der extremen Rechten, die die Behauptung in sich trägt, die Minderheit würde die Mehrheit diskriminieren. Frohnmaier setzt dagegen auf Law&Order und verlangt: „Polizei unterstützen statt Kriminalität aussitzen!“

Fazit: ein Rechtsausleger bemüht sich um eine Verankerung der Studierendenschaft
Offenbar ist relativ unbemerkt in Tübingen eine rechte Hochschulgruppe entstanden. Bei genauerer Betrachtung muss die AfD-HSG als Ableger des rechtspopulistischen AfD-Flügels eingestuft werden. So besteht tatsächlich die Gefahr, dass sich an der Universität langfristig ein Rechtsausleger etabliert und mittelfristig auch zu AStA-Wahlen antritt. Begünstigt werden würde das durch die allgemein niedrigen Wahlbeteiligung und die auch unter Studierenden zu findende hohe Affinität zu rechtem Gedankengut. So teilten z.B. nach einer neuen Umfrage unter Osnabrücker Studenten etwa 80% der Befragten in unterschiedlicher Ausprägung anti-muslimische Vorurteile.
Universitäten sind keine rechts-freien Räume. Auch hier gibt es Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus oder Antisemitismus. Davon zeugen z.B. die vielen Kritzeleien auf den Uni-Klos. Eine wohl fast unter allen Studierenden anzutreffende Vorurteilsstruktur ist dabei der Sozialchauvinismus. Die zukünftige, akademische Elite besticht weitgehend durch ihre Ignoranz und Ablehnung marginalisierter Bevölkerungsgruppen. Dass beim Clubhaus-Fest inzwischen nur noch Inhaber/innen eines Studi-Ausweises rein dürfen oder die prekären Arbeitsbedingungen der oft migrantischen Putzkräfte in den Uni-Räumen interessieren oft selbst die linken Studierenden kaum.

[TÜ] Protestaktion gegen Arminia Straßburg

Hier der verteilte Flyer mit weiteren Infos zur Arminia:

Arminia Straßburg – eine Burschenschaft mit Rechtsausschlag

Auch in diesem Semester kann die Tübinger Burschenschaft Arminia Straßburg wieder mit einem rechten Referenten in ihrem Semesterprogramm aufwarten.
Erst in diesem Jahr hatte sich die Arminia dazu entschlossen den extrem rechts dominierten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) zu verlassen. Doch ihre Aktivitäten beweisen, dass ein DB-Austritt noch lange keinen Persilschein darstellt.

Pro-Köln-Referent und Co-Referent von russischen Faschisten bei der Arminia

Am 23. November 2013 soll auf dem Kartelltreffen des „Kartells Roter Burschenschaften in Tübingen“ bei der Arminia Professor Jost Bauch einen Vortrag zum Thema „Der lange Abschied vom Nationalstaat“ halten. Jost Bauch (* 1949) aus Euskirchen, war lange Zeit Dozent für Soziologie an der Universität Konstanz, wo er auch 1994 zum Thema „Gesundheit als sozialer Code“ habilitierte. Bauch ist seit 2011 Vizepräsident des deutschnationalen „Studienzentrum Weikersheim“ (SZW) und Buchautor im rechtslastigen Ares-Verlag („Der Niedergang. Deutschland in der globalisierten Welt – Schriften wider den Zeitgeist“, Graz 2010). Bauch referierte bereits für: das neurechte „Institut für Staatspolitik“, für die Fraktion der rechtspopulistischen Kleinstpartei „pro Köln“ (2005), die Burschenschaft Gothia Berlin (2006), die Burschenschaft Alemannia Stuttgart (2010), die „Junge Freiheit“ auf der Frankfurter Buchmesse (2010), für den SZW-Nachwuchs „Jung-Weikersheim“ (2010) und für die „VIII. Bielefelder Ideenwerkstatt“ der extrem rechten Burschenschaft Normannia-Nibelungen (2012). Bei dieser ‚Ideenwerkstatt‘ referierte in diesem Jahr auch der ehemalige Brigadegeneral Dieter Farwick aus Sigmaringen. Und zwar zusammen mit dem neofaschistischen Vordenker Alexander Dugin aus Russland. Dugin hatte einst angegeben, “den frühen Italofaschismus” zu mögen und darüber hinaus “eine Periode im deutschen Nationalsozialismus” – dessen Frühzeit – “interessant” zu finden. Farwick, der ehemalige Generalstabsoffizier war eine Zeit lang auch Präsidiumsmitglied des SZW. Ansonsten hält Farwick derzeit Vorträge für den Landesverband der neugegründeten, rechtsgerichteten „Alternative für Deutschland“ (AfD). Aber auch bei der Arminia war Farwick am 16. Mai 2013 mit dem Vortrag „Deutschlands Rolle in der Welt: Warum die Außenpolitik eigene Interessen braucht“ angekündigt. Zum zweiten Mal trat er ausgerechnet am 9. November 2013 in den Räumen der Arminia auf, als dort ein „Sicherheitspolitisches Seminar“ des „Studienzentrum Weikersheim“ stattfand. Die Veranstaltung wurde auch von der „Jungen Alternative für Deutschland Landesverband Baden-Württemberg“ (JABW) beworben. Von der JABW nahmen deren Vorsitzender Marcus Frohnmaier und sein Stellvertreter Sebastian Wegener (Germania Straßburg) teil.
Offenbar wittert man im rechtskonservativen Milieu der korporierten Männerbünde in Tübingen mit der Parteineugründung AfD gerade Morgenluft. Die AfD-Hochschulgruppe plant auch bei den kommenden AstA-Wahlen Anfang Dezember mit einer eigenen Liste anzutreten.

Die oben angeführten Beispiele zeigen auch, dass hinter den Mauern der Verbindungsvillen die Grenzen zwischen konservativ und extrem rechts fließend sind.
Gegen diesen rechtskonservativen Ungeist, die Frauen* ausschließende Männerbündelei und die elitäre Arroganz gilt es wieder verstärkt Protest zu zeigen.

Verbindungen anfechten!

Quelle: http://www.tueinfo.org/cms/node/21584

Zur neuen Rechtsaußen-Partei „Alternative für Deutschland“ in Tübingen/Reutlingen

Die „Antifa Reutlingen-Tübingen“ (ART) versteht sich als außerparlamentarische Gruppe mit antinationaler Grundüberzeugung. Wahlen sind für uns deswegen vor allem aus antifaschistischer Perspektive von Interesse. Dass betrifft z.B. den Missbrauch des Parteiprivilegs durch die NPD oder die Republikaner um Hetz-Veranstaltungen durchführen oder menschenverachtende Propaganda in Form von Wahlplakaten verbreiten zu können.
Mit der „Alternative für Deutschland“ (AfD) hat eine neue rechte Partei die politische Bühne betreten. Die AfD versucht sich ganz offensichtlich als eine Partei rechts von der Union zu etablieren. Die Einordnung als Rechtsaußen-Partei lässt sich sowohl an den offiziellen Partei-Inhalten, als auch teilweise an ihrem Personal und dessen Positionen festmachen. Unzweifelhaft ist diese Partei-Neugründung noch in der Phase einer inhaltlichen Konstituierung, teilweise hat man auch den Eindruck, dass eine politische Positionierung in bestimmten Fragen vor der Bundestagswahl bewusst vermieden wird. Aber Wahlkampfparolen wie „Einwanderung braucht strikte Regeln“ sind rassistisch. Sie reduziert Einwanderer und Flüchtlinge auf Standortfaktoren. Weiterhin stellt die nationalistische Argumentation gegen die „Europäische Union“ das Grundgerüst der Partei-Agenda dar.
Wir sehen uns genötigt auf das rechte Treiben und das stramm rechte Personal in den Tübinger und Reutlinger Kreisverbänden der „Alternative für Deutschland“ (AfD), sowie in in der Tübinger AfD-Hochschulgruppe und dem AfD-Jugendverband „Junge Alternative für Deutschland – Baden-Württemberg“ (JA-BW) – dessen Führung aus Tübingern besteht – hinzuweisen.
Die AfD existiert als Kreisverband sowohl in Tübingen als auch in Reutlingen. Beide Kreisverbände fallen durch eine fehlende Abgrenzung nach rechts auf.
So fand am 4. September 2013 in der Julius-Kemmler-Halle in Reutlingen-Betzingen ein Vortrag von Dr. Alexander Gauland, dem rechtskonservativen Aushängeschild der AfD, statt. Veranstalter waren der Landesverband der JA und der Reutlinger Kreisverband der AfD. Auf der Veranstaltung wurden Gratis-Exemplare der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ verteilt. Niemand, auch der anwesende Reutlinger AfD-Direktkandidat Tim Carstens, nahm daran Anstoß. Die einleitenden Worte sprach bei dieser Veranstaltung u.a. Markus Frohnmaier, der stellvertretende Sprecher des Tübinger AfD-Kreisverbandes, Vorsitzender der AfD-Hochschulgruppe und Vorsitzender der JA-BW ist.
Dem neurechten Infoportal „Blaue Narzisse“ gab Frohnmaier am 13. September 2013 ein Interview, in dem er sich u.a. über einen sich „immer lächerlicher anmutende[n] Genderwahn“ echauffierte. Gemeint sind Programme zur Geschlechtergleichstellung. Bebildert ist dieses Interview mit einem Foto von Frohnmaier und Gauland, was offenbar auf der Veranstaltung in Reutlingen aufgenommen wurde. Das Zustandekommen dieses Interviews dürfte kein Zufall gewesen sein, war doch Frohnmaier selber in einer Formation mit rechtspopulistischer Argumentation aktiv. Er war regionaler Koordinator der „Aktion Linkstrend stoppen“ für die Region Schwaben. Diese Aktion wendet sich gegen die „Geschlechterumerziehung des „Gender Mainstreaming“, Homo-Ehe“ oder die „Gängelung von Unternehmen durch das „Antidiskriminierungsgesetz““ und „eine gescheiterte Multi-Kulti-Integrationspolitik“. Sie fordert zudem „der Gefahr der Islamisierung entgegenzutreten, das christliche Erbe zu verteidigen und dem EU-Beitritt der Türkei eine klare Absage zu erteilen“ (Zitiert nach „Manifest gegen den Linkstrend“, 2010).
Bei der Gründung der JA-BW am 14. Juli 2013 im Tübinger Hotel „La Casa“ wurde Sebastian Wegener zum Stellvertreter von Markus Frohnmaier gewählt. Wegener ist ein Mitglied der Tübinger Burschenschaft Germania Straßburg, die bis vor kurzem noch dem völkischen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ angehörte und in deren Reihen sich u.a. ein Redakteur der „Jungen Freiheit“ findet.
Vertreter der JA-BW nahmen am 13. August 2013 am Jahreskongress der deutschnationalen Kaderschmiede „Studienzentrum Weikersheim“ teil. Offenbar ist eine Vernetzung aller rechtskonservativen im Gange, die in der Union einen „Linkstrend“ ausmachen und nach einer Alternative suchen.
Einen Eindruck von der politischen Ausrichtung erhält man auch beim Blick auf die Facebook-Präsenzen der AfD-Hochschulgruppe und der JA-BW.
Wer sich einmal die Facebook-Präsenz der Tübinger AfD-Hochschulgruppe anschaut, der/dem fallen die dort verlinken „Junge Freiheit“-Artikel auf. Die JA-BW stellte auf Facebook sogar ein Video mit dem österreichischen EU-Parlamentarier Ewald Stadler rein, in dem dieser sich für die Wahl der AfD ausspricht. Stadler ist Mitglied des rechtspopulistischen „Bündnis Zukunft Österreich“, das sich unter Jörg Haider von der FPÖ abspaltete. Er gilt als „Haiders Dobermann“ und war u.a. auch Redner bei einer Demo gegen die Wehrmachtsausstellung in Wien.
Erwähnt werden sollte auch, dass der ehemalige Professor Joachim Starbatty aus Tübingen in Berlin als Spitzenkandidat für die AfD kandidiert. Es ist nicht das erste Mal, dass Starbatty die politische Bühne betritt. Er war stellvertretender Vorsitzender im rechtspopulistischen „Bund freier Bürger“ (BfB), der teilweise als Vorläufer-Projekt der AfD angesehen wird. Zudem ist er Autor im Kopp-Verlag, der diversen Rechtspopulist*innen, Rassist*innen und Antifeminist*innen eine Veröffentlichungsplattform bietet und er ist ein häufiger Referent bei deutschnationalen Burschenschaften (z.B. bei der Tübinger Burschenschaft Germania Straßburg am 15. April 2013).
Alle vier AfD-Gliederungen fallen also durch eine fehlende Abgrenzung zur extremen Rechten auf. Dass dürfte seine Ursache auch im ultrarechten Personal haben, dass sich in ihren Reihen findet. Derartige rechte Umtriebe sind nicht tolerierbar! Deswegen fordern wir die Kommunen, die Universität und Gastrom*innen auf, der AfD keinen Platz für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Außerdem wünschen wir uns von den Bürger*innen und den Medien in Tübingen und Reutlingen einen kritischeren Umgang mit der AfD.

Antifa Reutlingen-Tübingen
* [ART] *
(Stand: 15.09.2013)

Quelle: http://www.tueinfo.org/cms/node/21406

Rechtskonservatives Aushängeschild der „Alternative für Deutschland“ in Tübingen angekündigt

Gauland-Vortrag

Am 4. September ist in Tübingen im Kupferbau 18 Uhr ein Vortrag mit Dr. Alexander Gauland geplant. Veranstalter ist der Landesverband der „Jungen Alternative Baden-Württemberg“ in Zusammenarbeit mit der Hochschulgruppe der „Alternative für Deutschland“ Tübingen. Moderieren soll der Jura-Student Markus Frohnmaier, jetziger Vorsitzende der Jungen Alternative Baden-Württemberg, der sich früher bei den CDU-RechtspopulistInnen von „Aktion Linkstrend stoppen“ als Sprecher für die Region Schwaben betätigte. Der angekündigte Dr. Alexander Gauland (* 1941) aus Potsdam gehörte mit dem rechtskonservativen „Berliner Kreis“ ebenfalls zum rechten Unions-Flügel. Er war fast 50 Jahre CDU-Mitglied, früher Staatssekretär und unter dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann (CDU) Chef der hessischen Staatskanzlei. Bis 2005 war er Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“, bis 2012 Kolumnist des Tagesspiegel und publizierte 2002 das Buch „Anleitung zum Konservativsein“.
Heute ist Gauland stellvertretender Sprecher der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ und gilt als dessen rechtskonservatives Aushängeschild.

Quelle: http://www.tueinfo.org/cms/node/21302

AfD-Kreisverband Tübingen gegründet – ehemaliger CDU-Rechtspopulist mit von der Partie

Wie das „Schwäbische Tagblatt“ verlautete hat sich am 16. Juni 2013 ein Kreisverband der Parteineugründung „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Tübingen gegründet. Zum Direktkandidaten wurde ein Horst Speichert gewählt, der auch Sprecher des Kreisverbandes ist. Seine Stellvertreter sind Wolfram Schillinger und Markus Frohnmaier. Letztgenannter ist ein Rechtspopulist aus den Reihen der CDU und war dort in der „Aktion Linkstrend stoppen!“ (ALS) organisiert. Er war eine Zeit lang ALS-Regionalkoordinator für Schwaben und verfasste in dieser Funktion auch einen Brief an den CDU-Abgeordneten von Stetten, in dem er sich darüber beschwerte, dass dieser den Gangster-Rapper „Bushido“ als Praktikanten beschäftigte. Nun ist „Bushido“ mit seinen extrem frauenverachtenden und homophoben Texten durchaus allerhand Kritik wert (Zitat „Bushido“: „Sperr mal den Mund auf und füll ihr mit Sperma den Mund auf.“), doch ist die ALS auch nicht die Speerspitze der Emanzipation, sondern der Reaktion. In ihrem 2010 veröffentlichten „Manifest gegen den Linkstrend“ heißt es u.a.:
„Mit großer Sorge registrieren die Unterzeichner, wie sich die Führung der CDU mit der „Berliner Erklärung“ vom 15. Januar offenbar endgültig von ihren Wurzeln und langjährigen Stammwählern verabschieden und die „Öffnung nach links“ unumkehrbar weiter vorantreiben will.
Als Volkspartei mit christlich-konservativen und marktwirtschaftlichen Positionen ist die CDU seit Konrad Adenauer und Ludwig Erhard groß geworden und erfolgreich gewesen.
In den letzten Jahren hat sie jedoch wesentliche Grundpositionen aufgegeben. Immer mehr Mitglieder und Wahlbürger rücken von einer Partei ab, deren Führung
[…]* sich linke Gesellschaftspolitik zueigen macht, ob bei der Geschlechterumerziehung des „Gender Mainstreaming“, Homo-Ehe oder der Gängelung von Unternehmen durch
* das „Antidiskriminierungsgesetz“;
* eine gescheiterte Multi-Kulti-Integrationspolitik weiter vorantreibt, die selbst Sozialdemokraten wie Thilo Sarrazin als illusionär entlarven;
[…] * es unterläßt, die hunderttausendfache „straffreie“ Kindestötung durch Abtreibung beim Namen zu nennen und für konsequenten Lebensschutz einzutreten;
* sich scheut, der Gefahr der Islamisierung entgegenzutreten, das christliche Erbe zu verteidigen und dem EU-Beitritt der Türkei eine klare Absage zu erteilen.
Wir fordern eine grundlegende politische Kurskorrektur, eine geistige Wende. Es geht um Deutschlands Zukunft und um das Leben unserer Kinder und Enkel.“
Also klassische Elemente eines Rechtspopulismus, der zumindest früher auch von Frohnmaier vertreten wurde.
Dass eine Person mit solche Positionen zur AfD abgewandert ist, dürfte in der „Wählerformation des Wohlstandschauvinismus“ kaum problematisch sein. Die „Parteivertretung der Euroskeptiker“ bedient durchaus auch Ressentiments und spielt mit rechtspopulistischen Elementen.
Als wichtigster AfD-Funktionär aus Tübingen darf der emeritierte Professor Joachim Starbatty gelten, der Vorsitzender des Beirats der AfD und Kandidat Nr. 1 auf der AfD-Landesliste Berlin ist. Starbatty publizierte im rechtspopulistischen Kopp-Verlag und ist immer wieder Referent bei rechten Gruppen, zuletzt am 19. Juni bei der extrem rechten Burschenschaft Rheinfranken in Marburg.

Frohnmaier, Markus

Quelle: http://www.tueinfo.org/cms/node/21122