Archiv für Januar 2014

AfD-Landesparteitag in Pforzheim: Tosender Applaus für Kennzeichnung von Muslimen als weniger erwünschte Zuwanderer

„Draußen vor dem Tagungsort protestierten die Grüne Jugend und andere Gruppen gegen den Parteitag und angebliche Rechtslastigkeit der neuen Partei. Tatsächlich ließen manche Beiträge unangenehm aufhorchen, etwa ein Bewerber für den Landesvorstand, der in seiner Bewerbungsrede sagte: „Uns sind alle Moslems, die als Zuwanderer kommen, willkommen. Aber Christen sind mir lieber.“ Und dafür tosenden Applaus erntet.“

* Eurogegner will FDP „zugrunde richten“, 25. November 2013, http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/eurogegner-will-fdp-zugrunde-richten--77600886.html

AfD-Landessprecher gegen doppelte Staatsbürgerschaft

Bernd Kölmel, Sprecher der AfD Baden-Württemberg:

„Ich verurteile die doppelte Staatsbürgerschaft! Damit werden die Grundfesten Deutschlands geschleift.“

AfD Baden-Württemberg gegen die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“

Der baden-württembergische Landesverband der „Alternative für Deutschland“ (AfD) wendet sich gegen den Entwurf eines neuen Schulplans für Baden-Württemberg mit dem Schwerpunkt „Akzeptanz sexueller Vielfalt“.
AfD vs Gender
Der Landesvorstand der AfD teilt im Januar 2014 mit:

Der Landesverband der Alternative für Deutschland wird seine Mitglieder und Unterstützer bitte, die Petition ‘Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens’ zu unterzeichnen und mitzutragen.

Begründet wird diese Aufforderung wie folgt:

Wenn dieser “Bildungsplan” Gesetzeskraft erlangen und durchgeführt werden sollte, werden wir als Eltern unsere Kinder vor dieser Umerziehungsideologie schützen, indem wir sie von sämtlichen staatlichen Schulen fernhalten, in denen dies umgesetzt wird. Was nichts, aber auch wirklich gar nichts mit irgendeiner von den Gender-Chefideologen allenthalben unterstellten Homophobie, die uns völlig fernliegt, zu tun hat. Man muss dazu noch nicht einmal konservativ, geschweige denn radikal oder irgendwie fundamentalistisch angehaucht sein. Für diese Entscheidung reicht völlig aus, noch bei Verstand zu sein, seine Kinder zu lieben und eine gute Zukunft – zu der gehört auch wirkliche Bildung, nicht Ideologie - für sie anzustreben, wie Eltern es eben tun. Ich wage die Prognose, dass mindestens 2/3 aller Eltern in Baden-Württemberg, eher deutlich mehr, dies nicht anders sehen.

Was hier als „Umerziehungsideologie“ von „Gender-Chefideologen“ diffamiert wird, ist im Grunde der Versuch die Normalität von nicht-heterosexuellen Identitäten darzustellen und deren Akzeptanz zu vermitteln, u.a. um Schüler*innen, die selber nicht heterosexuell sind, den Schritt eines ‚Outing‘ zu erleichtern. Die Vermittlung dieser Inhalte wird aber von der AfD als „Ideologie“ gebrandmarkt. Dabei ist die irrationale Gegnerschaft zu dem Bildungsplan viel eher eine ideologisch bedingt, da man es so darstellt als würden damit Kinder „umerzogen“.

Der AfD-Landessprecher Bernd Kölmel darf sich auch in der aktuellen Ausgabe der ultrarechten Wochenzeitung zu der Ablehnung des Bildungsplanes durch seinen Landesverband äußern:

Der Bildungsplan 2015 ist eindeutig der falsche Weg. Dies könnte in eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehungskampagne an allgemeinbildenden Schulen münden. […] Die Alternative für Deutschland unterstützt diese Petition und protestiert gegen die eklatante Missachtung der Elternrechte bei der Erziehung und die Relativierung und Diskreditierung traditioneller Geschlechterrollen unter der Flagge des Gender-Mainstreaming. Wir fordern die Rücknahme dieses Bildungsplanes und Rückkehr zur Orientierung an Artikel 12 unserer Landesverfassung und Artikel 3 und 6 unseres Grundgesetzes. Die AfD sieht sich mit diesen Forderungen in einem Boot mit den beiden großen Kirchen in Baden Württemberg, die ebenfalls darauf drängen, daß die Bildungsleitlinien auf der Grundlage jenes Menschenbildes erarbeitet werden, das der Landesverfassung zugrunde liegt. […] Bei aller Toleranz stehen wir insbesondere für den Schutz der Familie als Keimzelle der Gesellschaft. In erster Linie sind die Eltern für die Bildung und Erziehung ihrer Kinder verantwortlich, auch im höchst sensiblen Bereich der Sexualität. Sexualität obliegt alleine dem einzelnen Menschen selbst und darf nicht Gegenstand staatlicher Einflussnahme sein.

Warum die Familie vor der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ geschützt werden muss bzw. inwiefern sie durch diese bedroht wird, verrät Bernd Kölmel nicht, aber offenbar kann er ‚Familie‘ nur als heterosexuelle Familie denken.
Auch dass vor Eltern für die Sexual-Erziehung ihrer Kinder zuständig sein sollen, ist ein Rückfall in die 1950er-Jahre, wo es in den Schulen noch keine sexuelle Aufklärung gab.

Letztlich unterstützt die Landes-AfD eine homophobe Kampagne. Ob aus Kalkül, nämlich dem Werben um rechtskonservative und rechtsklerikale Stimmen, oder aus Überzeugung ist unklar, wird aber je nach FunktionärIn oder Mitglied auch unterschiedlich sein.

Nach einer neuen forsa-Umfrage sind übrigens 63% der Befragten dafür, dass die Rechte von Homosexuellen Thema des Schulunterrichts sind.