AfD-Jugendfunktionär Frohnmaier verdeutlicht in einem Interview die Funktion der AfD-Jugend als rechte Speerspitze

Nachdem Frohnmaier letztes Jahr bereits dem neurechten Online-Portal „Blaue Narzisse“ Rede und Antwort gestanden hatte, gab er jetzt dem „marktfundamentalistischen Kampfblatt“ ‚eigentümlich frei‘ ein Interview1, worin er eine rechtskonservative Ausrichtung des Jugendverbandes ankündigt.
Frohnmaier Interview mit Blaue Narzisse
Screenshot: „Blaue Narzisse Online“

Der Tübinger Marcus Frohnmaier ist seit Mitte Juli 2013 Landesvorsitzender des baden-württembergischen Jugendverbandes der AfD (JA-BaWü). Zugleich ist er stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender von Tübingen und kandidierte auf dem AfD-Landesparteitag November 2013 als Stellvertretender Sprecher.
Vor seiner Karriere in der AfD war Frohnmaier in der Jungen Union aktiv und hier am äußersten rechten Rand, verkörpert von der „Aktion Linkstrend stoppen“ für die er zeitweilig der Koordinator in Schwaben war.
Als AfD-Nachwuchsfunktionär besuchte Frohnmaier den Jahreskongress der deutschnationalen Kaderschmiede „Studienzentrum Weikersheim“. In einem Text dazu hieß es, am 13. September 2013

besuchten Vertreter des baden-württembergischen Landesvorstands der Jungen Alternative für Deutschland (JA) das freiheitlich-konservative Studienzentrum Weikersheim […] Die Delegation um den JA-Landesvorsitzenden Markus Frohnmaier wohnte der Eröffnung der Jahrestagung der Denkfabrik auf Schloss Weikersheim durch den Präsidenten des Studienzentrums, Prof. Dr. Harald Seubert, sowie einem Vortrag von Brigadegeneral a.D. (Sigmaringen) Dieter Farwick bei, der zum Thema “Eine Woche vor richtungsweisenden Wahlen. Was kommt auf Deutschland zu?” sprach. Vor, während und nach der Veranstaltung fanden zahlreiche Gespräche statt, in deren Rahmen Gedanken und Meinungen ausgetauscht und vertieft werden konnten. Im Rahmen dieses Austausches machte Frohnmaier deutlich, dass es große Gemeinsamkeiten zwischen der JA und dem Studienzentrum gebe, das sich an den großen europäischen Traditionen aus Antike, Christentum und Aufklärung orientiert und für die Verbindung von Tradition und Fortschritt in der nötigen Verbindung von Patriotismus und Universalismus steht.

FRohnmaier beim Studienzentrum Weikersheim
Screenshot: Facebook-Präsenz der Jungen Alternative für Deutschland – Landesverband Baden-Württemberg

Da Frohnmaier und andere Jung-AfDler auch am 9. November 2013 an einem „Sicherheitspolitischen Seminar“ des SZW auf dem Haus einer Burschenschaft in Tübingen besuchten und JA-BaWü per Facebook zum Besuch eines SZW-Vortrag aufgerufen haben, scheint sich hier ein Näheverhältnis zu entwickeln.
AfD bei Sicherheitspolit. Seminar von Weikersheim
Screenshot: Facebook-Präsenz der Jungen Alternative für Deutschland – Landesverband Baden-Württemberg

In dem Interview mit dem Monatsmagazin „eigentümlich frei“ (ef) antwortet Frohnmaier auf die Frage „welche sind die zentralen Themen der AfD-Jugendorganisation?“:

Neben der Euro-Problematik ist es zum einen die Ablehnung der völlig gescheiterten bisherigen Einwanderungs- und Integrationspolitik und zum anderen einen Komplex, den man vielleicht am Treffendsten mit dem Oberbegriff „Freiheit“ zusammenfassen könnte. Konkret fallen darunter zum Beispiel die auf dem Kongress angenommenen Anträge zur Ablehnung von Geschlechterquoten jeglicher Art, zum Rückbau der EU auf das Maß der früheren Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG und zur Stärkung der Erziehungshoheit der Eltern, wenn es um das umstrittene Thema der Frühsexualisierung in Kindergarten und Grundschule geht.

Kurz gesagt die JA lehnt Quoten zur Gleichstellung von Frauen ab, richtet sich gegen die Aufklärung über sexuelle Vielfalt – denn nichts anderes steckt hinter dem falschen Schlagwort von der ‚Frühsexualisierung in Kindergarten und Grundschule‘ und will die Einwanderungs- und Integrationspolitik verändern. Nach allem was von der AfD bisher bekannt ist, geht es nicht um eine Liberalisierung.

Mit Dr. Alexander Gauland, dem stellvertretenden Sprecher der Bundes-AfD, wandelt Frohnmaier auch auf den Spuren Bismarcks. Denn unter Verweis auf den ‚Eisernen Kanzler‘ hatte Gauland sich für eine außenpolitische Annäherung an das autoritär regierte Russland stark gemacht. So auch Frohnmaier bzw. die Junge Alternative:

Ja, wir haben durchgesetzt, dass die JA ein Ende des Konfrontationskurses der Bundesrepublik gegenüber Russland bei gleichzeitiger Fixierung auf die USA befürwortet. Ich bin der Ansicht, dass es uns gut zu Gesicht stehen würde, statt in nicht hinterfragter Vasallentreue deutsche Soldaten für amerikanische Interessen zu verheizen, einige Schritte auf Russland zuzugehen, das sich in den letzten Jahren eindrucksvoll auf der Bühne der Weltpolitik zurückgemeldet hat.

Wohlgemerkt, es geht nicht um den Tod von SoldatInnen an sich, sondern um das ‚verheizen‘ der aus Gründen einer angeblichen ‚Vasallentreue‘ gegenüber den USA. Dahinter steckt auch die Annahme, die Bundesrepublik sei kein eigenständiger Akteur, sondern nur ein ‚Vasall‘ der USA.

Am Interessantesten sind das Lob für Putins Politik und die Assad-freundliche Töne von Frohnmaier:

Die Gewährung von Asyl für den NSA-Enthüller Edward Snowden sowie die Unterstützung von Syriens Präsident Baschar Assad im Kampf gegen von den Golfstaaten und über Umwege auch den USA finanzierten Islamisten sind Beispiele dafür, wie Russland das Richtige tut, während Deutschland einfach keine politische Verfolgung Snowdens erkennen mag und im Falle Syriens durch seine unbedingte Unterstützung Washingtons dazu beiträgt, dass direkt vor der Haustüre des EU-Beitrittskandidaten Türkei ein fundamentalistischer Gottesstaat in einem bis dato sehr toleranten und multireligiösen Land aus dem Boden gestampft werden soll.

Die Lage in Syrien ist mehr als kompliziert. Dass auf Seiten der Opposition inzwischen die IslamistInnen dominieren, bezweifeln nur noch wenige. Aber die Assad-Familien-Diktatur mitsamt Folterkellern als ‚tolerantes‘ Land zu beschönigen, wird der Wahrheit auch kaum gerecht.
Allerdings ist die Ignoranz von innenpolitischer Unterdrückung anderswo zugunsten einer nationalen Außenpolitik kein Zeichen rechter Ideologie. Das haben Schröder, der Putin einen „lupenreinen Demokraten“ nannte, und Fischer auch schon getan.