„Gegen den Währungssozialismus“ – kritisches Porträt des AfD-Europawahlkandidaten Joachim Starbatty aus Tübingen

Joachim Starbatty, Jahrgang 1940, aus Tübingen gehört zu den echten Professoren der gerne als ‚Professorenpartei‘ betitelten „Alternative für Deutschland“ (AfD). Allerdings ist Starbatty seit 2005 emeritiert, d.h. er lehrt nicht mehr an der Universität. Bis dahin war Starbatty Dozent für Wirtschaftspolitik an der Universität Tübingen gewesen.
Seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen vertritt Starbatty aber weiterhin als Vorsitzender der neo- bzw. ordoliberalen „Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V.“ (ASM) mit Sitz in Tübingen.

Bis 1994 war Starbatty Mitglied der CDU. Danach wechselte er zu der Partei-Neugründung „Bund freier Bürger“ (BfB). Er war Gründungsmitglied, stellvertretender Bundesvorsitzender und Kandidat des BfB bei den Europawahlen im Juni 1994. Aus unbekannten Gründen verließ er den BfB im September 1994 wieder. Der BfB wurde damals als ‚Professorenpartei‘ bezeichnet, hatte die Beibehaltung der D-Mark als Hauptthema und galt unter Kritiker/innen rechtspopulistisch. In vielen wirkt der BfB heute wie ein gescheitertes Vorläufer-Projekt der AfD. Joachim Starbatty erinnert sich im Interview mit „Die Welt“ von 2013 an seine damalige Partei:

… rechtspopulistisch war sie ganz sicher nicht. Sie war eine Reaktion auf den Maastricht-Vertrag und die Pläne für eine Währungsunion. Der Grund meines kurzen Engagements vom Februar 1994 bis November 1994 war die Europapolitik und die geplante Einführung des Euro, gegen die ich 1998 gemeinsam mit Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling und Karl Albrecht Schachtschneider Verfassungsbeschwerde eingelegt habe.

Mit der Gründung der AfD Anfang 2013 galt Starbatty als Unterstützer dieser Partei und saß im wissenschaftlichen Beirat der AfD. Zur Bundestagswahl 2013 kandidierte er auf der Berliner Landesliste und zur kommenden Europawahl am 25. Mai 2014 belegt er den Platz 5. Sollte die AfD ins Europa-Parlament einziehen und das Ergebnis entsprechend gut sein, dann wird auch Starbatty einen Sitz bekommen.
Starbatty im AfD-Beirat

Zusammen mit den anderen rechten Euro-Kritikern Hankel, Nölling, Schachtschneider und Spethmann verfasste Starbatty im Rottenburger Kopp-Verlag das Buch „Das Euro-Abenteuer geht zu Ende“. Der Kopp-Verlag gibt vor allem verschwörungstheoretische, esoterische und rechtspopulistische Bücher heraus.
Außer für etablierte Medien erschienen Beiträge von Starbatty auch in rechten Medien wie dem rechtskonservativen Magazin „Criticon“, dem Magazin „Schweizerzeit“, der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ oder dem Internet-Portal „Blaue Narzisse Online“.

Starbatty ist in rechten Kreisen als Referent zu Wirtschaftsthemen sehr gefragt, meist zu den Themen EU und Euro. Neben dem deutschnationalen Studienzentrum Weikersheim (u.a. 29.10.2011) und der rechtskonservativen „Zivilen Koalition“ (23.09.2011) wurde Veranstaltungen mit Starbatty mehrfach bei Studentenverbindungen, insbesondere bei Burschenschaften angekündigt:
* 2002, Burschenschaft Frankonia Erlangen, Thema: „Die politische Fundamentierung des Euro“
* 11.-13.03.2011, Haus der Adelphia Würzburg, Tagung des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ zum Thema „Lage in Deutschland“
* 28.04.2011, Burschenschaft Germania Köln
* 03.12.2011, Burschenschaft Frankonia Erlangen, Thema: „Die €U in der Krise?“
* 15.04.2013, Burschenschaft Germania Straßburg, Thema: „Alternative für Deutschland?“
* 19.06.2013, Burschenschaft Rheinfranken Marburg, Thema: „Tatort Euro“
* 13.11.2013, Burschenschaft Alemannia Stuttgart, Thema: „Die Zukunft des Euro und der Einfluss durch die AfD – Einordnungen nach der Wahl”

Die letzten drei Ankündigungen zeigen, dass Starbatty in korporierten Kreisen für seine Partei wirbt. Nicht ohne Erfolg, engagiert sich doch so mancher Burschenschafter für die AfD. Eine Reihe von ihnen nimmt sogar wichtigere Posten ein, u.a. auch im Jugendverband „Jungen Alternative“ und auch in Baden-Württemberg.
Ansonsten tritt Starbatty in letzter Zeit mit seinen Vorträgen vor allem bei AfD-Gliederungen auf. Der emeritierte Wirtschaftsprofessor gilt bei der AfD als Mann vom Fach, der sich bereits Meriten im Kampf gegen den Euro verdient hat. Wenn er dann noch gegen einen angeblichen „Währungssozialismus“ schwadroniert, gibt es von rechter Seite reichlich Applaus.