Reaktionär als Stichwortgeber der Südwest-AfD

Seit November 2013 ist Marc Jongen aus Karlsruhe der stellvertretende AfD-Landessprecher und gleichzeitig Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg. Zudem kandidierte er als Kandidat für die AfD bei der Bundestagswahl 2013.
Außerhalb seines parteipolitischen Engagements ist Jongen Dozent für Philosophie an der „Hochschule für Gestaltung“ (HfG) in Karlsruhe und Assistent von HfG-Rektor Peter Sloterdijk.

In einem Beitrag für das Magazin „Cicero“ vom 22. Januar 2014 mit dem Titel „Das Märchen vom Gespenst der AfD“ skizziert Jongen ein Bündel von reaktionären Ideen und Thesen als Manifest für die AfD.
So stellt Jongen die „Europäische Union“ als ein para-sozialistisches Projekt dar und versucht so an die antikommunistischen Vorbehalte seiner Leserschaft zu appellieren:

Als folgte die Geschichte einer sarkastischen Dialektik, erleben wir heute die Rache der Planwirtschaft. Nach dem vermeintlich endgültigen Triumph des freien Marktes, beschließt das Politbüro der EU – alias Europäischer Rat – unter Führung Deutschlands die politische Suspendierung der Marktgesetze.
Die institutionalisierte Insolvenzverschleppung namens ESM-Schirm sowie die Zweckentfremdung der EZB als Bad-Bank für Anleihen von Pleitestaaten haben eine neue ökonomische Ordnung, einen „Bankensozialismus“, entstehen lassen. Während die Miesen der Geldhäuser in negatives „Volkseigentum“ verwandelt werden, bereichert sich eine winzige Finanznomenklatura so maß- und schamlos wie weiland ihr politisches Gegenstück in den Sowjetrepubliken.

Gegen den Einbruch der (Post-)Moderne setzt Jongen in traditionalistischer Manier auf die (Hetero-)Familie und die Nation:

Wo aber der Amoklauf der Moderne sein „Krise“ genanntes Zerstörungswerk schon vollendet hat, müssen tradierungswürdige Zustände neu geschaffen werden. Eine Schlüsselrolle werden dabei unsere Landessprache und die Familie spielen. Beides sind essenzielle Bausteine der Kulturtradierung, ohne die aus dem „Wirtschaftsstandort Deutschland“ das zweite Wort schon bald zu streichen sein wird.
Der angebliche Widerspruch zwischen einem konservativen und einem liberalen Parteiflügel der AfD ist damit als Propaganda des politischen Gegners enttarnt. Genuin liberal zu sein, heißt heute, konservativ zu sein. Zuweilen sogar reaktionär.

Wie sein Chef Sloterdijk glaubt Jongen eine vermeintlich bedrohte bildungsbürgerliche Elite gegen die unteren Massen verteidigen zu müssen:

Die Vision eines Deutschlands, dessen produktive, kulturtragende Schicht sich aus dem Zangengriff von ausufernder Sozialindustrie unten sowie asozialen Finanzeliten oben befreit, in dem echter Bürgersinn und Meritokratie folglich wieder Platz greifen können.