Archiv für Oktober 2014

Landesvorsitzender der „Jungen Alternative“ erneut im Gespräch mit extrem rechten Magazin „Zur Zeit“

Markus Frohnmaier, baden-württembergischer Landesvorsitzender der „Jungen Alternative“, hat erneut dem Magazin „Zur Zeit“ (ZZ) ein Interview gegeben. ZZ erscheint in Österreich und bezeichnet sich selbst als „Sturmgeschütz der Meinungsfreiheit“. ZZ war ursprünglich das österreichischen Schwesternblatt der deutschen „Jungen Freiheit“ und steht der FPÖ, besonders dem Strache-Flügel, relativ nah.
In der ZZ-Ausgabe 39/2014 wird Frohnmaier u.a. wie folgt zitiert: „Wir wollen in Deutschland eine politisch-moralische Wende herbeiführen.“
Außerdem spricht er sich für eine Öffnung der AfD zur FPÖ und der UKIP aus.

Kandidat der AfD-Ostwürttemberg auf NPD-Kundgebung?

Ein „Antifaschistisches Rechercheteam Ostalb“ berichtete am 1. Oktober 2014 in einem Artikel auf dem linken Newsportal „Indymedia“ von Überschneidungen von lokalen AfD-Mitglieder im Kreis Ostalb, rechten Fußballfans und der NPD. Demnach hätte ein AfD-Kandidat 2013 an einer NPD-Kundgebung teilgenommen.
Hier die wichtigsten Ausschnitte:

Im Kontext rechter Aktivitäten spielt seit Jahren die Fan- bzw. Ultra-Szene des VfR Aalen eine bedeutende Rolle. Während der Hochzeit des „Freien Widerstand Süd“ beteiligten sich überregional organisierte Neonazis, u.a. aus dem Großraum Ulm (AG Schwaben/JN Ulm-Heidenheim),
gemeinsam mit Aalener Ultras an Angriffen auf antifaschistische Fans während Heimspielen des VfR.
Eine führende Rolle nahm hier der Vorsänger der Ultra-Gruppe „Crew11“, Dominik Stürmer, ein. Stürmer ist zudem der 1. stellvertretende Vorstand der „Fanoffensive Rohrwang“, der offiziellen Fanorganisation des VfR. Zu nennen ist ebenfalls Jan Messerschmidt, der sich gerne als „unpolitischer Hooligan“ des VfR ausgibt, seit Jahren allerdings in der Neonazi-Szene aktiv ist und auf einem Großteil der Aktionen in der Region anwesend war (z.B. auf der Kundgebung in Aalen während der NPD-Bustour 2013). […] Infolge des drohenden Image-Schadens bemüht man sich nun um Schadensbegrenzung. Ende Juli wurde ein Interview mit der „Crew11“ veröffentlicht, in dem sie u.a. zu den Nazi-Vorwürfen Stellung nehmen. Im Tenor reumütiger Sünder ist hier von „(…)eine handvoll Rechter, die mitunter auch offensiv für ihre Sache warben(…)“ die Rede, zu deren Umfeld auch Stürmer gehörte, der nun angeblich der Szene des Rücken gekehrt habe. Überhaupt habe man mit „Links-Rechts-Politik im Stadion“ oder Parteipolitik generell nichts am Hut.
Doch was ist von dieser scheinbaren Distanzierung zu halten?
Von der offenen Propagierung rechtsradikaler Positionen durch die „Fanoffensive Rohrwang“, wie sie 2013 in einem „Brief an die Mannschaft“ erfolgte (der Brief wurde auf der Homepage der Crew11 veröffentlicht), schweigt die Ultra-Gruppe. Darin wurde für das Recht auf den Erhalt „hereditärer Identität“ und gegen antirassistische Statements geworben.
Der Versuch, die rechte Problematik auf eine Handvoll Störenfriede zu reduzieren, scheitert jedoch schon an der faktischen Zusammensetzung der Fangruppen durch rechte Aktivisten.
Es ist mehr als auffällig, dass fast alle führenden Positionen der Fanoffensive mit Anhängern der „Alternative für Deutschland Ostwürttemberg“ (eine Ausnahme bildet der Neonazi Dominik Stürmer)
besetzt sind. Dazu gehören Michael Hartmann (1. Vorstand), Tobias Stürmer (Bruder von Dominik Stürmer, Fanbeauftragter und Verantwortlicher für Finanzen und Mitgliederverwaltung)) sowie Andreas
Lachnit, Pressewart und Medienbeauftragter.
Die AfD Ostwürttemberg um ihren Vorsitzenden und mittlerweile Kreisrat Jan Czada gibt sich wenig Mühe, sich der Parteipropaganda eines Bernd Lucke folgend als „Partei der Mitte“ zu definieren. In einem wirren Pamphlet, das wie ein Lehrstück rechter Verschwörungstheorie anmutet, positioniert Czada die Partei „rechts der Mitte“.
Dass es abseits von Euro-Schelte in der Regionalpolitik vorallem darum geht, rassistische Ressentiments mithilfe rechtspopulistischer Phrasen zu wecken, macht Czadas aktuelles Statement zur Asylpolitik deutlich, in der von „rot-grünem Kuschelkurs“ und „lascher Abschiebepraxis“ schwadroniert wird.
Doch auch abseits rechtskonservativer Ideologie und rechtspopulistischer Methodik sind Überschneidungen der AfD ins neo-nazistische Lager festzustellen.
So nahm Andreas Lachnit, Kandidat der AfD Ostwürttemberg und Medienbeauftragter der Fanoffensive Rohrwang, am 2.9.2013 gemeinsam mit Dominik Stürmer sowie dem Heidenheimer NPD-Nachwuchs Dominik Hurst an einer Kundgebung der NPD in Aalen teil.

* Antifaschistisches Rechercheteam Ostalb: Zwischen NPD, Ultra-Szene, „Bürgerinitiativen“ und „Alternative für Deutschland“: Rechte Strukturen auf der Ostalb, 01.10.2014, https://linksunten.indymedia.org/de/node/123429