Farwick versus Petry

Der Brigadegeneral a. D. Dieter Farwick aus Sigmaringen-Laiz, ein Förderer der AfD, ist zwar ein ehemaliges Präsidiumsmitglied des deutschnationalen „Studienzentrums Weikersheim“, gilt aber in der AfD als „Liberalkonservativer“. So veröffentlichte er bei der Kolibri-Plattform einen „offenen Brief“ an Frauke Petry, die sächsische AfD-Vorsitzende, Vertreterin des rechtspopulistischen Flügels und Lucke-Kontrahentin.
In diesem geht er hart mit der „Werte[n] Frau Doktor Petry“ ins Gericht. In dem Text heißt es:

„Am Anfang Ihrer Funktion als Sprecherin habe ich Sie und Ihr Auftreten sehr geschätzt. Das hat sich in den letzten Wochen und Monaten in das Gegenteil verkehrt.
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich der Tragweite Ihres Handelns bewusst sind. Bei allem Verständnis für Ihre persönlichen Differenzen mit Bernd Lucke geht es in diesen Wochen nicht um Frau Petry oder Bernd Lucke. Es geht um die Zukunft unseres gemeinsamen Abendlandes.
Wegen des Versagens der Altparteien in nahezu allen Politikfeldern hat eine starke AfD die – vermutlich letzte – historische Chance, die Altparteien zu einem fundamentalen Kurswechsel zu zwingen. Die Zeit arbeitet für die AfD – besser: sie könnte es tun.
Der besonders von Ihnen in den letzten Tagen in die Öffentlichkeit getragene Streit kann diese Chance für absehbare Zeit zerstören. Sind Sie sich dieser Verantwortung bewusst?
In einer nüchternen Beurteilung der Lage müssten Sie und Ihre Unterstützer erkennen, dass es auf absehbare Zeit in der AfD keine Persönlichkeit gibt, die Bernd Lucke als Gesicht der Partei und Stimmenfänger ersetzen kann. Leider stimmt dies auch für Ihre Person. Sollten Sie mit „Ihrem Putschversuch” scheitern, haben Sie Ihre politische Zukunft hinter sich.
Sollte Lucke im Juni abgewählt oder aus dem Amt gemobbt werden, wird es zu einer Trennung kommen müssen, weil eine Fortdauer des Streites das Siechtum der AfD bedeuten würde – mit sicherem Exitus. […] Angesichts des aufgezeigten Risikos Ihres Handelns für unser Vaterland ist mir unverständlich, mit welcher Brachialgewalt Sie Ihren persönlichen Ehrgeiz über die Sache – die Zukunft unseres Vaterlandes – stellen.
Wir alle sollten auch mit Blick auf unsere Nachkommen unserem Vaterland dienen.
Ich gehe davon aus, dass ich Sie nicht umstimmen kann. Ich will Ihnen jedoch klar machen, welche Verantwortung Sie für die AfD und – wichtiger – für eine bessere Zukunft für unser Vaterland tragen.“

Farwick sieht also gar keinen inhaltlichen Dissenz zwischen Lucke und Petry, sondern eher einen persönlichen. Er wirft ihr vor die Zukunft von ‚Abendland‘ und ‚Vaterland‘ zu gefährden. Mit einer solchen rechten Diktion ist Farwick eher als Rechtskonservativer, denn als „Liberalkonservativer“ einzuordnen.