Zum Stand der Südwest-AfD

Die baden-württembergische AfD hat durch den Weggang des Lucke-Flügels einige Federn lassen müssen, unter den SeparatistInnen waren auch zahlreiche Mandates-InhaberInnen. Dadurch war der Aderlass sicherlich schmerzhafter als nur der Verlust von 20% der Mitglieder.
Mittlerweile hat die Lucke-Abspaltung „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (ALFA) auch einen Landesverband in Baden-Württemberg gegründet. Dieser soll nach Eigenangabe 310 Mitglieder haben. Die AfD reklamiert für sich dagegen noch über 2.500 Mitglieder zu verfügen.
Doch sind diese offenbar weitgehend inaktiv. Die Termin-Angabe der Homepage der Landes-AfD zeigt nur Stammtische in Balingen in Reutlingen und in Stuttgart an.
Auch auf die Landtagswahl im März 2016 scheint die Südwest-AfD kaum vorbereitet. Erst die Hälfte der KandidatInnen sind gewählt worden, nach dem Austritt der Lucke-Getreuen mussten einige KandidatInnen-Plätze auch neu besetzt werden. Auch wenn die neonazistische NPD sicherlich sehr viel weniger Chancen hat als die rechtspopulistische AfD so hat sie doch schon fast alle KandidatInnen-Plätze besetzt.
Ihre derzeitige Schwäche versucht die AfD mit lautem Zweckoptimismus zu übertönen. So schreibt sie in einer Email an eine ihre Mitglieder und SympathisantInnen:

„Trotz der Sommerferien wurde sofort mit der Vorbereitung des Landtagswahlkampfes begonnen. Das Wahlkampfteam wurde inzwischen erfolgreich reaktiviert und hat mit großem Elan seine Arbeit aufgenommen. Die Programmkommission/LFAs überarbeiten noch einmal das gesamte Wahlprogramm entsprechend den Abstimmungen unseres letzten Parteitages und befinden sich auf der Zielgeraden. […] Ein professionell und zentral geführter Wahlkampf, der mit einer gemeinsamen Herbstoffensive gestartet wird, soll die Kreisverbände in ihrer Arbeit unterstützen und diese erleichtern.“

Hier war wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens als die Realität.

Trotzdem ist es zu früh den Abgesang auf die AfD anzustimmen. Sie kann sich wieder fangen und wird trotz geschmälerter Chancen in der Vorwahlzeit sicher wieder aktiver werden. Der Landesjugendverband ist ohnehin sehr umtriebig und hat erst kürzlich einen Ableger in Freiburg gegründet.