Online-TV-Reportage einer rechten Zeitung über AfD-Landessprecher Meuthen

JF-Doku über Meuthen
Die ultrarechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) produziert seit geraumer Zeit auch Reportagen für einen Online-TV-Format. Von Kenner*innen wird die „Junge Freiheit“ der so genannten „Neuen Rechten“, eine Strömung der extremen Rechten, zugeordnet.
Die AfD begleitete die JF von Anfang an mit Wohlwollen, es war von Kritiker*innen sogar die Rede von der JF als einem „inoffiziellen Parteiblatt“.
Anders als der radikale Flügel der Neuen Rechten um das „Institut für Staatspolitik“ herum, unterstützte die JF in der Afd den nationalliberalen Flügel um Bernd Lucke, offenbar auch weil dieser als ‚Gemäßigter‘ als politikfähiger galt. Nach dessen Sturz kühlte das Verhältnis zur Rest-AfD etwas ab. Mit Jörg Meuthen hat die JF nun einen Lucke-Ersatz gefunden. Denn dieser ist auch eher rechtskonservativ und nationalliberal als rechtspopulistisch. Meuthen ist im Grunde eine Art rechtskonservatives Aushängeschild einer rechtspopulistischen Partei. Obwohl Meuthen auf wirtschaftspolitischer Ebene auch die neoliberalen Vorstellungen Luckes teilte, hatte er sich im parteiinternen Machtkampf Luckes GegnerInnen um Frauke Petry angeschlossen, wofür er mit dem Posten des stellvertretenden Bundesvorsitzenden belohnt wurde.
Die JF hat nun Meuthen offenbar zu ihrem neuen Liebling erkoren und widmet diesem eine knapp 43 Minuten lange Reportage mit dem Titel „Jörg Meuthen – Alternative fürs Ländle?“, die am 22. Februar 2016 auf dem JF-Youtubekanal veröffentlicht wurde.
Darin begleitet die JF unter ihrem Chefredakteur Dieter Stein im Landtagswahlkampf. Meuthen ist vielleicht nicht den klassischen RechtspopulistInnen zuzurechnen, er hat aber keine Probleme mit ihnen in der Partei. Einmal kritisiert er den ehemaligen Parteichef Lucke: „Lucke hat das Spektrum zu eng gesetzt“. Zu Hardliner-Positionen wie die von Frohnmaier meint er, man könne „die Position schon haben“.
Neben Meuthen kommen in der Reportage die AfD-Funktionäre Paul Hampel, Alexander Gauland, Christiane Christen, mehrere AfD-AnhängerInnen und Dieter Stein zu Wort. Alle loben – kaum verwunderlich – Meuthen als besonnenen Politiker.
Als Medienexperten und Poilitkwissenschaftler bietet die JF Claus-M. Wolfschlag aus Offenbach auf. Er ist Stammautor der JF und schreibt daneben für rechte Blätter wie „eigentümlich frei“, die „Burschenschaftlichen Blätter“, „Etappe“, „Gegengift“, „Ostpreußenblatt“, „Volkslust“, „Zur Zeit“, „wir selbst“ und „Zinnober“.
Meuthen wird auch auf das Interview mit Frauke Petry angesprochen, in dem diese den Schusswaffeneinsatz von Grenzbeamt*innen auf Flüchtlinge legitimiert.
Meuthen geht immerhin so weit in diesem Fall den Einsatz von Gummigeschossen zu empfehlen.
Ansonsten gibt sich Meuthen in den Interviews ruhig und gemäßigt. Auch die JF nennt ihn einen „betont sachlichen – moderaten Spitzenkandidaten“. Doch einmal schimpft auch Meuthen nicht anders als Gauland oder Höcke über die „refugees-welcome-Gutmenschen“.