Archiv für April 2016

Merkels Repräsentant bei den deutschen Evangelikalen geht in Konkurrenz zur AfD

Der baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Kauder aus Tuttlingen ist nicht nur offiziell Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, er fungiert inoffiziell auch als eine Art von CDU-Repräsentant unter deutschen Evangelikalen, also konservativen bis fundamentalistischen ProtestantInnen.
Obwohl er Merkels Kurs in der Flüchtlingsfrage stützte, machte Kauder immer wieder durch Positionen auf sich aufmerksam, die seinem konservativ-religiösen Überzeugungen entspringen. So lehnte er gemeinsame Gebete und religiöse Feiern mit Muslimen oder Angehörigen
anderer Religionen ab. Ebenso erteilte den Plänen für ein volles Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren eine Absage, weil dies angeblich den Interessen von Kindern widersprechen würde.
Im Jahr 2012 veröffentlichte er das Buch „Verfolgte Christen – Einsatz für die Religionsfreiheit“ im christlichen Hänssler-Verlag in Stuttgart, in dem auch Bücher erschienen sind, in denen Homosexualität als heilbare Krankheit dargestellt wird.
Ebenso positionierte er sich gegen Schwangerschaftsabbrüche („Als Christ bin ich gegen Abtreibungen, außer im Fall einer Vergewaltigung.“).
Als Referent trat er u.a. für den „Wertekongress christlicher Führungskräfte“ (2011) oder auf der Konferenz der evangelikalen „Deutschen Evangelischen Allianz“ (DEA) in Bad Blankenburg (2011) zum Thema „Christenverfolgung“ auf.
Kauder gegen Gender
BILD: Screenshot PRO-Magazin, PDF-Version

Nur einen Tag vor dem AfD-Bundesprogrammparteitag in Stuttgart forderte Kauder nun eine verstärkte Beobachtung von Moscheen in Deutschland.
Offenbar versucht Kauder am rechten und christlichen Rand ein paar Stimmen für seine Partei zurückzugewinnen.
Natürlich gibt es in der muslimischen Minderheit Deutschlands fundamentalistische, sprich islamistische Tendenzen. Aber wer die Muslimbrüder beobachten lässt und die Piusbruderschaft nicht, die/der offenbart damit eine Motivation, die nicht religiösen Fundamentalismus an sich als Problem betrachtet.

Meuthen macht einen auf Sarrazin

In seinem 2010 erschienenen rechtspopulistischen Buch „Deutschland schafft sich ab“ schrieb das SPD-Mitglied Thilo Sarrzin:

„Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. Wenn ich das erleben will, kann ich eine Urlaubsreise ins Morgenland buchen.“

Meuthen&Gauland-Interview
Sechs Jahre später warnte der baden-württembergische AfD-Fraktionsvorsitzende Jörg Meuthen in einem FAZ-Interview am 25. April vor einer „schleichenden Islamisierung durch die Bevölkerungsentwicklung“:

„Ich will, dass auch für meine Enkel hier zu Hause noch das Geläut der Kirchenglocken das geistliche Geräusch ist, das sie hören, und nicht der Ruf des Muezzins.“

JA nennt Gegendemonstrierende „Rotfaschisten“

In einem Beitrag auf der Facebook-Präsenz der „Jungen Alternative Baden-Württemberg“ vom 23. April werden die Demonstrant*innen gegen den Landesparteitag in Waiblingen als „‎Rotfaschisten‬“ bezeichnet.

Der Landesparteitag der AfD in Waiblingen

Begleitet von Gegenprotesten am 23. fand vom 22. bis zum 24. April 2016 in Waiblingen der AfD-Landesparteitag statt. Der SWR berichtet von rechten Redebeiträgen:

„Die „durchmarschierten 68er“ versuchten, so Grimmer, mit dem Segen der CDU bei den Grünen „Frühsexualisierung, Genderwahn, Regelungswut“ durchzusetzen. Grimmer betonte, man habe den „schmutzigsten Wahlkampf der Geschichte“ hinter sich. Der Wahlkampf sei fast ein Kampf gegen das organisierte Verbrechen gewesen. […] AfD-Landessprecher Lothar Maier griff in seiner Rede Teile der Demonstranten an. Er sagte, sie gehörten zu den „verkommensten Elementen“, die es im Land gebe.“

Selbst von dem AfD-Saubermann Jörg Meuthen spielte diesmal auf dieser Klaviatur:

„Und wenn ich das sage, dann heißt das auch das nicht der Ruf des Muezzin die gleiche Selbstverständlichkeit für sich beanspruchen kann wie das christliche Geläut von Kirchenglocken.“

Meuthen in Waiblingen

Václav Klaus soll auf AfD-Bundesprogrammparteitag am 30. April sprechen

AfD-Programmparteitag Stuttgart
Am 30. April 2016 soll in Stuttgart der ehemalige tschechische Präsident Václav Klaus als Gastredner auftreten. Klaus war 1992 bis 1998 Ministerpräsident und von 2003 bis 2013 Staatspräsident der Tschechischen Republik. Als seine Vorbilder benennt er Milton Friedman, Friedrich Hayek, Margaret Thatcher und Ronald Reagan. Er ist schon länger ein AfD-Sympathisant (Zitat: „Ich würde die AfD wählen!“), traf sich aber auch am 5. Mai 2015 mit Marine Le Pen, der Chefin des „Front National“.