Archiv für Mai 2016

Über Gedeons Gewährsmann: den antisemitischen Verschwörungsideologen Johannes Rothkranz

Der AfD-Landtagsabgeordnete schrieb 2012 in seinem Buch „Der grüne Kommunismus“ das „die Schriften von J. Rothkranz über das II. Vatikanische Konzil“ seinen „Blick weiter geschärft“ hätten.
Gedeons Bezug auf Rothkranz
Doch wer ist dieser „J. Rothkranz“? Es handelt sich um den Verschwörungsantisemiten Johannes Rothkranz. Das Online-Lexikon Wikipedia schreibt zu Rothkranz:

„Johannes Rothkranz ist ein rechtsextremer sedisvakantistisch-katholischer Theologe aus Deutschland.“

Weiter heißt es auf Wikipedia:

„Freimaurer und Zionisten sind für ihn die eigentlichen Drahtzieher des kirchlichen und weltlichen Geschehens. Um seine Verschwörungstheorie zu stützen, greift er in seinen zahlreichen Veröffentlichungen gelegentlich auch auf Quellen aus dem Bereich des Geschichtsrevisionismus zurück. In seinem mehrbändigen Werk Die Protokolle der Weisen von Zion – erfüllt! nutzt er Versatzstücke einer in Deutschland seit 2001 indizierten antisemitischen Fälschung und Hetzschrift, der sogenannten Protokolle der Weisen von Zion.
[…] In seiner Broschüre Wußten Sie schon …? benutzt Rothkranz als Quellen Werke und Zitate von Holocaustleugnern wie Richard Harwood und David Irving und verweist auf das revisionistische Institute for Historical Review.
Rothkranz nutzt verschwörungstheoretische und antisemitische Denkmuster, indem er von einer mächtigen Organisation spricht, die seit langer Zeit die Weltherrschaft unter antichristlichen Vorzeichen an sich reißen wolle. Es handele sich dabei um das „organisierte Judentum“ und seine vielen Hilfsorganisationen, als deren bedeutendste die 1717 gegründete Großlogen-Freimaurerei zu gelten habe. Man habe es mit der „Synagoge Satans“ zu tun, einer Organisation, welche die Zahl 666 verbreiten wolle, um die Menschheit zu unterjochen.“

Bisher mindestens ein Wahlkreisbüro der AfD in Baden-Württemberg und ein weiteres angekündigt

Der AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon kündigt auf seiner Homepage an: „Wenn alles klappt, können wir am 1. Juni unser Wahlkreisbüro in der Singener Innenstadt eröffnen.“
Wie uns zugetragen wurde existiert bereits ein Wahlkampfbüro in Ulm, auch wenn dessen Eröffnung noch nicht offiziell verkündet wurde.

AfD-Delegation aus Baden-Württemberg auf Hofers Wahlparty in Wien

Der AfD-Landtagsabgeordnete Udo Stein berichtet in einer Pressemitteilung vom 25. Mai 2016 von seinem Besuch auf der Wahlparty des gescheiterten FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer am 22. Mai.
AfDler auf Hofers Wahlparty Screenshot

„Am vergangenen Wochenende war MdL Stein einer Einladung der FPÖ gefolgt und nach Wien gereist, um an der Wahlparty bezüglich der Bundespräsidentenwahl in Österreich teilzunehmen.
Kontakte zur FPÖ wurden durch die „Junge Alternative“, in welcher MdL Stein ebenfalls Mitglied ist, bereits bei der letzten Wahl von Hans-Christian Strache geknüpft. Daher freut es Stein umso mehr, dass nun auch die AfD auf diesen Zug aufgesprungen ist und die Beziehungen zur FPÖ vertieft hat.“

Stein schwärmt:

„Es war ein außerordentlich tolles Erlebnis, neue Kontakte wurden geknüpft und durch den Gedankenaustausch mit unseren Freunden von der FPÖ habe ich viele Anregungen für meine zukünftige politische Arbeit gewonnen“

Neben Frauke Petry waren auch deren neuer Pressesprecher, Markus Frohnmaier aus Tübingen und Andreas Schumacher aus Freiburg. Der Jurastudent Schuhmacher ist Mitglied im Bundesvorstand der „Jungen Alternative“ und Beisitzer im AfD-Kreisverband Freiburg.

Sitzt ein Antisemit für die AfD im Stuttgarter Landtag?

In einem Beitrag auf Hagalil.com mit der Überschrift „Wolfgang Gedeon und die „Protokolle der Weisen von Zion““ vom 26. Mai 2016 schreibt Armin Pfahl-Traughber über den frisch gewählten baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon, dieser

„schätzt und verteidigt die antisemitische Fälschung „Die Protokolle der Weisen von Zion“. Dies macht jedenfalls ein Blick auf zwei seiner früheren Buchveröffentlichungen deutlich.“

Protokolle der Weisen von Zion
Pfahl-Traughber schreibt über Gedeon als Publizisten:

„2009 veröffentlichte er als „W. G. Meister“ die dreibändige Monographie „Christlich-europäische Leitkultur. Die Herausforderung Europas durch Säkularismus, Zionismus und Islam“ mit über 1.500 Seiten. Dem schloss sich 2012 ein Buch unter seinem eigentlichen Namen mit dem Titel „Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten. Eine Kritik des westlichen Zeitgeistes“. Beide Monographien erschienen im kleinen R. G. Fischer-Verlag in Frankfurt/M., der gegen Bezahlung durch die Autoren deren Bücher druckt.
Der zweite Band von „Christlich-europäische Leitkultur“ trägt den Titel „Über Geschichte, Zionismus und Verschwörungspolitik“ und enthält mehrere Abschnitte zu den „Protokollen der Weisen von Zion“. Darin heißt es gleich zu Beginn: „Die Protokolle sind mutmaßlich keine Fälschung“ (S. 466), wobei Gedeon den durch einfachen Textvergleich nachweisbaren Tatbestand des Plagiats leugnet. […] Dafür schreibt der jetzige AfD-Landtagsabgeordnete: „Ich halte die Beurteilung Fleischhauers … für plausibel. Danach handelt es sich um die Mitschrift einer Geheimtagung …“ (S. 466) Bei der gemeinten Person handelte es sich um Ulrich Fleischhauer, den Leiter des „Weltdienstes“. Diese formal private und unabhängige Einrichtung wurde von Goebbels’ Propagandaministerium bei ihrem judenfeindlichen Wirken finanziell unterstützt.
Aber auch Fleischhauers „Gutachten“ in dieser Frage kennt Gedeon ausweislich des Literaturverzeichnisses seiner Triologie nicht. Er beruft sich bei all seinen Aussagen aus zweiter Hand auf einen Johannes Rothkranz, einen katholischen Fundamentalisten, der durch verschwörungsideologische Publikationen mit antisemitischen Tendenzen bekannt geworden ist. Fleischhauers Auffassung zitiert der heutige AfD-Landtagsabgeordnete auf ganzen vier Seiten aus dessen Schrift. Als Ausdruck seiner Wertschätzung für die „Protokolle“ bemerkt Gedeon: „Wer die Geschichte und Politik der letzten 100 Jahre betrachtet, muss konzedieren, dass viele der in den Protokollen aufgeführten Elemente und Praktiken schon tatsächlich umgesetzt wurden“ (S. 480). Diese Einschätzung kann man kaum anders interpretieren, als dass er von Existenz einer jüdischen Weltverschwörung ausgeht. In seiner Literaturliste finden sich denn auch noch Nachdrucke weiterer verschwörungsideologischer Schriften wie denen von Erich und Mathilde Ludendorff oder von Friedrich Wicht.
Dass es sich bei den erwähnten Ausführungen nicht um einen „Ausrutscher“ handelte, macht das drei Jahre später erschienene Buch „Der grüne Kommunismus“ deutlich. Auch darin gibt es einen kurzen Abschnitt zu den „Protokollen“, worin es heißt: „Es wird aber nirgendwo ersichtlich, dass die Urheber der Protokolle, die auch auf dem Baseler Zionistenkongress von 1897 nicht offen, sondern nur in einer geheimen Parallelveranstaltung aufgetreten sind, in irgendeiner Weise repräsentativ für das jüdische Weltkollektiv wären“ (S. 277f.) Demnach meint Gedeon zunächst, die eigentlich Autoren der „Protokolle“ zu kennen, wofür er aber keinen einzigen Beleg liefert. Sodann differenziert er scheinbar zwischen Juden und Zionisten, spricht aber gleichzeitig von einem „jüdischen Weltkollektiv“, was es nur in der Phantasie von Antisemiten gibt. Außerdem meint Gedeon in diesem Buch, dass es Parallelen zwischen den Ausführungen in den „Protokollen“ zu „Strategie und Taktik und zum Beispiel den politischen Methoden der Brüsseler EU“ (S. 278) geben würde.
Die Ausführungen von Gedeon machen deutlich, dass mit ihm ein Anhänger von antisemitischen Verschwörungsauffassungen im Landtag von Baden-Württemberg sitzt.“

Doch scheint es sich bei Gedeon nicht nur um einen Antisemiten zu handeln, auch sonst folgt er offenbar geschichtsrevisionistischen Thesen:

„Auch der Blick auf andere Ausführungen in den genannten Büchern macht deutlich, dass der AfD-Landtagsabgeordnete von rechtsextremistischen Publikationen zu den unterschiedlichsten Themenfelder geprägt ist. Es gibt etwa in dem erwähnten zweiten Band von „Christlich-europäische Leitkultur“ einen Abschnitt über „Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg“, wo nur „Über den Luftkrieg und den Kriegsverbrecher Winston Churchill“ (S. 206-212) und „Ilja Ehrenburg“ (212-214) als Themen vorkommen. Was darüber hinaus über den Holocaust geschrieben wird, wäre noch eine gesonderte Abhandlung wert.“

AfD Ravensburg vergleicht antirassistischen Boykott mit antisemitischen NS-Boykott

Der AfD-Kreisverband Ravensburg verglich am 23. Mai 2016 auf Facebook einen antirassistisch motivierten Boykott mit dem Boykott der Nationalsozialisten gegen die jüdische Minderheit.
AfD Ravensburg verharmlost NS
Der Kreisverband schreibt:

„Eine üble Sauerei, die an die finstersten Zeiten deutscher Geschichte erinnert, erlaubt sich die Ravensburger Asylbewerberhilfe im Umgang mit dem Blog „www.amfedersee.de“.
Die von dem Bad Buchauer Gemeinderat Heinz Weiss („Die Unbestechlichen“) betriebene Nachrichtenseite thematisiert neben allgemeinen Neuigkeiten aus der Federsee-Region auch die skandalöse Entwicklung der „Kriminalität mit Migrationshintergrund“ in unserer Raumschaft.“

Offenbar waren auf dem regionalen Infoblog Texte mit flüchtlingsfeindlichen Inhalt gepostet worden. Daraufhin informierte ein Antirassist von einer Ravensburger Flüchtlingsunterstützungsorganisation per Email die Werbe-Kunden des Blogs in der Hoffnung das diese auf Grund der geänderten Lage ihre Anzeigen zurückziehen würden. Dieser Umstand wird von der Ravensburger AfD dazu verwendet
Die AfD fordert nun die Ravensburger Flüchtlingsunterstützungsorganisation zu boykottieren, „denn niemand weiß, was denen sonst noch alles an linksfaschistisch-antidemokratischem Unrat einfällt.“