AfD-Kreisverbände strickten an antimuslimischer Verschwörungstheorie mit

Das Magazin „Der Stern“ berichtet in seinem Artikel „Wie die AfD einen toten Moslem zum Messerstecher von Grafing machte“ über einen vom AfD-Kreisverband Heidelberg per Facebook in die Welt gesetzten Verschwörungsmythos:

„Wer ist der Messerstecher von Grafing? Die Polizei hat keine Zweifel, dass es sich um einen 27-jährigen Deutschen aus Gießen handelt. Für die AfD Heidelberg ist das jedoch eine Täuschung und der wahre Täter heißt Rafik Youssef.
Nach der Messerattacke von Grafing sind viele Fragen offen: Warum stach der Angreifer am frühen Dienstagmorgen scheinbar wahllos auf vier ihm unbekannte Männer ein, tötete einen von ihnen und verletzte drei weitere? Ist der mutmaßliche Täter schuldfähig oder handelte er in geistiger Verwirrung? Gab es womöglich einen Glaubenswechsel des Mannes zum Islam? Eines steht für die Ermittler des Bayerischen Landeskriminalamtes aber zweifelsfrei fest: Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 27-jährigen Deutschen aus Gießen ohne Migrationshintergrund. Eine offizielle Bestätigung für den Namen gibt es bislang nicht, doch Medieninformationen zufolge heißt der Festgenommene Paul H.
[…] Nach Ansicht der AfD Heidelberg ist das jedoch offenbar alles gelogen. Der Kreisverband wittert eine Verschwörung und nennt auf seiner Facebookseite den „wirklichen“ Täter: Rafik Youssef. „Der Täter ist 27 Jahre alt, Hartz-IV-Empfänger aus dem Raum Gießen und verfügt über einen Deutschen Pass. Er hat jedoch einen islamnahen Migrationshintergrund und er heißt nachweislich nicht Paul H., sondern Rafik Youssef !“, heißt es in einem Post der Partei.
Scheinbar als Belege für ihre Behauptung verlinkten die AfDler Artikel der rechten Online-Portale „MMnews“ und „Delgardo-TV“, in denen von „Täter -Lüge“ und “koordiniertem Nachrichten-Spinning von Oben“ die Rede ist.
Für alle, die der Berichterstattung der rechten Portale vielleicht nicht so ganz trauen, haben die Mannheimer AfD-Vertreter noch ein „besonders überzeugendes“ Argument parat: „Beim besten Willen … Welcher „Deutsche“ sticht wahllos Leute ab und schreit dabei „Allahu Akbar“? Und seit wann wird bei einem „Deutschen Messerstecher“ von der Polizei eine Nachrichtensperre verhängt?
Dass das Gerücht von der Nachrichtensperre genauso wenig stimmt, wie der Name Rafik Youssef, ficht die AfD nicht an. Für sie sind die Medien offenbar Teil einer großen Verschwörung, wie dieser Kommentar zeigt:
Selbst der unumstößlichste von allen Umständen, die gegen Youssefs Täterschaft sprechen, hat die Partei nicht davon abgehalten, ihn als den Messerstecher von Grafing zu präsentieren: Rafik Youssef ist seit acht Monaten tot. Der irakische Islamist wurde im September 2015 nach einem Messerangriff auf Passanten und eine Polizistin in Berlin von der Polizei erschossen.“