Archiv für April 2017

Fundstücke zur Südwest-AfD im Buch „Was will die AfD?“ von Justus Bender

In dem neuen Buch „Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland“ beschreibt Justus Bender auch den Konflikt um den antisemitischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon und die dahinter liegenden Motive:

„Viele von den Gedeon-Verteidigern gehören selbst zur Spezies jener, die sich mit radikalen Äußerungen angreifbar machen. Indem sie Sanktionen gegen Gedeon erschweren, verhindern sie, selbst eines Tages sanktioniert zu werden, nicht notwendigerweise für Antisemitismus, sondern für Äußerungen anderer Art, etwa gegen Muslime. Es ist unklar, welche Interpretation schlimmer wäre: Dass die Abgeordneten bewusst einen Antisemiten verteidigt haben. Oder dass sie einen Antisemiten verteidigt haben, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.“

(Seite 122)
Das hat laut Bender fatale Konsequenzen auch in anderen Fällen wie dem von Mandic:

„Führende Vertreter aus Baden-Württemberg sagen hinter vorgehaltener Hand ausdrücklich, dass wegen der Querelen im Fall Gedeon ein baldiges Ausschlussverfahren gegen Mandic unmöglich geworden ist. Es fehlt der Parteiführung an Autorität und an Energie. Schon das Hinausdrängen eines einzelnen, unbedeutenden Hinterbänklers mit antisemitischen Ansichten war zu einem Machtkampf zwischen zwei Parteivorsitzenden eskaliert. Jemand wie Dubravko Mandic wird deshalb auf lange Zeit unantastbar sein in Baden-Württemberg. Und mit ihm alle anderen, die man als Überzeugungstäter bezeichnen könnte.“

(Seite 81)

An anderer Stelle beschreibt Bender auch kritisch, die Anstellung von Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der „Jungen Alternative“, als Pressesprecher der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry:

„Wenn der SPD-Vorsitzende den jeweiligen Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten, die für gewöhnlich scharfe Kritik an ihrer Mutterpartei und deren Vorsitzendem äußern, als seinen Pressesprecher anstellen würde, wäre nicht nur von versuchter Käuflichkeit die Rede, die Jungsozialisten würden ihren Vorsitzenden wohl auch binnen kürzester Zeit abwählen. In der AfD aber scheinen solche Gesetzmäßigkeiten keine Geltung zu haben.“

(Seite 116)

Gedeons Buchhändler des Vertrauens

Auf seiner Homepage empfiehlt der antisemitische AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon aus Rielasingen-Worblingen bei Singen den Kauf seines Buchpamphletes „Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“ bei der „Bücherstube Rielasingen“.
Gedeon-Buch bei Bücherstube Rielasingen
Das ist kein Zufall, denn dieses Buchgeschäft wird von der Buchhändlerin Klaudia Kruck-Schaer aus Rielasingen-Worblingen betrieben. Klaudia Kruck-Schaer ist Beisitzerin im AfD-Kreisvorstand Konstanz.
Sie und ihr Mann, Tankred Schaer, waren auch Mitglied im Vorstand des hannoverschen
Ablegers der ultrakonservativen Psycho-Sekte „Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis“ (VPM). Die VPM wurde 1986 gegründet und 2002 offiziell aufgelöst, wobei Kritiker*innen Nachfolge-Strukturen identifizieren konnten.
„Klaudia Kruck-Schaer und Dr. Tankred Schaer, Rielasingen“ stehen auch unter der Trauer-Anzeige für Dr. phil. Annemarie Buchholz-Kaiser (1939-2014) in der FAZ vom 21 Juni 2014. Buchholz-Kaiser war Leiterin des VPM.

Klaudia Kruck-Schaer scheint auch weiterhin politisch aktiv zu sein. So nutzte sie ihre Buchhandlung auch zur Ausrichtung von Veranstaltungen mit rechten Referenten:
* Am 29. April 2013 fand in der Talwiesenhalle in Rielasingen eine Vorstellung des Buchs „Die Euro-Bombe wird entschärft“ durch seinen Autor Professor Dr. Wilhelm Hankel (1929-2014) statt. Organisiert von der „Bücherstube Rielasingen“.
Hankel trat bei diversen extrem rechten Gruppen auf und war Experte für die FPÖ.
Hankel bei FPÖ
* Am 9. April 2015 stellte Willy Wimmer in Rielasingen-Worblingen sein Buch „Wiederkehr der Hasardeure. Europa in Gefahr“ vor. Veranstalter war die „Bücherstube Rielasingen“.
Wimmer war 1976 bis 2009 CDU-Bundestagsabgeordneter ist aber seit einigen Jahren als Querfront-Aktivist unterwegs. Er schrieb u.a. für „KOPP-Online“.

Räpple versus Weidel

Der AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple nannte unlängst auf Facebook die Spitzenkandidatin Alice Weidel zur Bundestagswahl in Baden-Württemberg ein „U-Boot der Bankenlobby“
Räpple versus Weidel

Wolfgang Gedeon doch nicht so isoliert, wie gedacht

Wie die Zeitung „Die Welt“ berichtete wird Wolfgang Gedeon als Delegierter am Bundesparteitag der AfD in Köln teilnehmen. Gedeon selbst verkündet auf seiner Homepage:
„Dr. Wolfgang Gedeon nimmt am Bundesparteitag der AfD in Köln am 22. und 23. April 2017 als Delegierter teil.“
Damit offenbart sich, dass Gedeon nicht nur weiterhin AfD-Mitglied ist, sondern auch Parteitagsdelegierter seines Kreisverbandes. In dieses Amt wurde er im März 2015 für zwei Jahre gewählt und hat es bis zu einer Neuwahl weiter inne. Darauf zieht sich die AfD auch offiziell zurück, doch stimmt das offenbar gar nicht, worauf ein Hinweisgeber diesen Watchblog aufmerksam machte. Hinter den Kulissen tobt im AfD-Kreisverband ein Machtkampf, in dem Gedeon eine Schlacht für sich entschieden hat.
Im Kommentarbereich auf Gedeons Homepage gratulierte ein Uwe-Karsten Schröder Gedeon zur Delegiertenwahl am 9. März 2017.
Gratulation an Gedeon
Tatsächlich war am 9. März 2017 eine Mitgliederversammlung angesetzt.
AfD Konstanz Terminplan
Uwe-Karsten Schröder aus Gaienhofen ist offenbar ein Verteidiger Gedeons und betont das sein Kreisverband Gedeon als rehabilitiert ansieht.
Schröder: Gedeon kein Antisemit

Möglicherweise als Reaktion darauf erklärte Walter A. Schwaebsch auf der Vorstandssitzung am 3. April 2017 seinen Rückzug aus dem AfD-Kreisvorstand Konstanz-Singen. Seine Direktkandidatur für die Bundestagswahl bleibe davon aber unberührt.
Schwaebsch tritt zurück

AfD-Bundestagskandidat sympathisiert mit extrem rechter Partei in Serbien

Wie die „Schwäbische Zeitung“ berichtet sympathisiert der AfD-Bundestagskandidat im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen, Reimond Hoffmann, mit der rechtsradikalen serbischen Dveri-Partei. Er schreibt auf Facebook: „Ich hatte das Glück den serbischen Präsidentschaftskandidaten Boško Obradović kennenzulernen. Er und seine Dveri-Partei sind ein guter Partner in Serbien für die Alternative für Deutschland. Wir teilen das Verständnis eines souveränen Nationalstaates – wer nicht lernt sich selbst zu gehorchen, dem wird befohlen.“ Die