Fiechtner verlässt die AfD

Heinrich Fiechtner verkündete am 24. November 2017t, er werde Partei und Fraktion verlassen. In den Medien wird Fiechtner als „Liberaler“ innerhalb der AfD bezeichnet. Ein Blick auf seine Polit-Biografie zeigt, dass diese Einordnung Fiechtners falsch ist.

Heinrich Fiechtner, Jahrgang 1960, galt noch 2015 der Otto-Brenner-Stiftung „als rechter Lautsprecher der Südwest-AfD“. Der Stuttgarter ist Arzt und arbeitet seit Anfang 2000 als Onkologe in einer Stuttgarter Praxis für Onkologie, Hämatomologie und Palliativmedizin.
Fiechtner war früher Mitglied bei FDP und CDU.

Fiechtner war November 2013 bis Oktober 2014 stellvertretender AfD-Landessprecher und war zudem auch Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Göppingen. Für den Wahlkreis Göppingen wurde Fiechtner mit 17,4% der Stimmen in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Seit Sommer 2014 saß er außerdem für die AfD im Stuttgarter Gemeinderat.
Sich selbst bezeichnete er als „pietistisch geprägter Christ“, so war er auch Gründungsmitglied des „Pforzheimer Kreis“ in der AfD und bei den „Christen in der AfD“ (ChrAfD) aktiv.
Er ist Abonnent der nationalliberalen Zeitschrift „eigentümlich frei“ und hat auch die „Erfurter Resolution“ des Höcke-Flügels unterzeichnet.
Am 19. Oktober 2014 nahm er an der homophoben „Demo für alle“ teil.

Laut einem Text der „Autonomen Antifa Freiburg“ sollte er auf der PEGIDA-Demo in Stuttgart am 17. Mai 2015 als Redner auftreten. Er nahm aber letztlich ‚nur‘ daran teil.
Das verwundert kaum, so verglich er im Januar 2015 den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“. Später versuchte er erfolglos seinen Vergleich zu relativieren: „Ich habe den Koran nicht mit ,Mein Kampf‘ verglichen, sondern nur gesagt, dass es Teile gibt, die deckungsgleich sind.“ Zudem bezeichnete er den Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn als einen „miesen faschistoid-populistischen Scharfmacher“ und gab an, die „ungesteuerte Einwanderung aus fremden Kulturen“ habe ihn zu seinem Engagement in der AfD bewogen. Für ihn ist die „heilige Inquisition ein Muster an klarem Denken und Beweisführung“ und er nannte laut Zeitung Sarrazin „einen der brillantesten Analysten der Lage in unserem Land und mutigsten Vertreter einer freien Meinungsäußerung“. Schwangerschaftsabbrüche bezeichnete er im Oktober 2014 als „Kindstötungen“. Kaum verwunderlich, nahm er am 4. November 2014 auch an der Demonstration gegen eine geplante Abtreibungsklinik in Stuttgart teil.
Seine ehemaligen Fraktionskollegen Wolfgang Gedeon, einen beinharten Antisemiten, verteidigte er anfangs noch, denn es gebe eine „abstruse Überhöhung des Holocaust-Gedenkens“. Gedeons Aussagen seien nicht antisemitisch, er rufe ja nicht zur Verfolgung von Juden oder zur Bekämpfung des Staates Israel auf.
Auf Kritik an Wolfgang Gedeon durch eine Vertreterin der jüdischen Gemeinde reagierte Fiechtner 2016 wie folgt: „Frau Traub sollte sich besser um die lebenden Juden kümmern, stattdessen hat sie sich noch für den Bau einer Moschee in Stuttgart-Feuerbach ausgesprochen.“
Später benannte er allerdings klar den Antisemitismus Gedeons.

Auf Facebook warnte er 2016: „Totalitäre Umtriebe: die BRD auf dem Weg zu einer DDR 2.0“ und jubelte nach dem Wahlsieg Trumps: „I want to make Germany proud again“.

Das sich Heinrich Fiechtner im internen Streit mit dem Rest seiner eigenen Fraktion inklusive des Vorsitzenden Jörg Meuthen befindet ist nur bedingt ein Beleg für Heinrichs gemäßigt Position. Fiechtner hat sich zwar für eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge ausgesprochen, das aber nicht mit humanistisch, sondern mit der Kostenersparnis und Kontrolle begründet. Er warnte sogar: „Leider kommen nicht nur echte Flüchtlinge zu uns, sondern viele machen sich auf den Weg, um von unserem hochentwickelten Gesundheitssystem zu profitieren“.
Am 13. August 2016 twitterte Fiechtner noch: „+++ Flüchtlinge? Nein Danke! +++“
Auch in Anbetracht von Fiechtners bisherigen Positionen und Aktivitäten wäre es falsch Fiechtner als ‚gemäßigt‘ einzuschätzen. Sein Streit mit Meuthen und den übrigen FraktionskollegInnen resultierte vielmehr aus einem Machtverteilungskonflikt innerhalb der AfD. Fiechtner war nicht bereit sich der Fraktionsdisziplin unterzuordnen und wenigstens nach außen hin Einheit zu simulieren. Das dürfte nicht zuletzt auch an Fiechtners Hang zur Selbstdarstellung liegen.


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