Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Südwest-AfD positioniert sich in Teilen Pro-Höcke

Ursprünglich galt der AfD-Landesverband Baden-Württemberg einmal als ‚gemäßigt‘. Das hat sich aber geändert. Am Kyffhäuser-Treffen der Höcke-Unterstützungsgruppierung „Der Flügel“ im September 2017 nahmen auch hochrangige AfD-Funktionäre aus Baden-Württemberg teil. Das waren u.a. Ralf Özkara (AfD-Landessprecher), Jörg Meuthen (AfD-Fraktionssprecher), Dubravko Mandic (AfD-Direktkandidat in Tübingen), Dietmar-Dominik Hennig und Simon Dennenmoser (AfD-Direktkandidat in Göppingen). und Dietmar-Dominik Hennig unterwegs.
Özkara verteidigte in einem Facebook-Post vom 15. September auch offensiv Gaulands Wehrmachts-Sympathien:

„Die Medienmeute stürzt sich neuerdings – mal wieder – auf unseren Spitzenkandidaten Alexander Gauland, weil er in seiner Rede auf dem Kyffhäusertreffen gesagt hat, dass wir stolz auf unsere Wehrmachtssoldaten sein sollten und unser Geschichtsbild sich nicht auf die schlimmsten zwölf Jahre deutscher Geschichte beschränken sollte. Dem ist nichts hinzuzufügen! […] Im Falle der Wehrmacht wurden deutsche Soldaten in den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte durch barbarische Absichten eines verbrecherischen Regimes instrumentalisiert. Das macht die Wehrmachtssoldaten jedoch nicht zu Verbrechern. Im Gegenteil: Sie sind Opfer und Helden zugleich, denen unser aller Respekt gelten sollte!“

Pro-AfD-Werbeplakat im Landkreis Tuttlingen

Vier mittelständische Unternehmer ließen Anfang September in Spaichingen-Egesheim im Kreis Tuttlingen ein Plakat aufstellen, was eindeutig Wahlwerbung für die AfD machte.
Darüber freute sich auch die Regionalgruppe Zollernalb der extrem rechten „Identitäre Bewegung“.
IB Zollernalb pro Plakat in Egesheim

Nach bundesweiter Kritik an der rassistischen Aussage des Bildes, die das Topos der „Überfremdung“ bedient, wurde das Foto am 15. September durch das Buchtitel-Zitat „Deutschland schafft sich ab“von Thilo Sarrazin ersetzt. Am 18. September 2017 wurde die Plakatwand insgesamt abgebaut. Die Botschaft war allerdings schon in die Welt gesetzt worden und fand bundesweit Resonanz.
Die vier Unternehmen, die hinter dem Plakat stecken sind:
* die „Bauunternehmung Hans Haselmaier“ in Nusplingen, Inhaber: Hans Haselmaier
* das Ingenieurbüro „Mauthe Ingenieure“ („I. B. M. Obernheim“) in Obernheim, Inhaber: Diplom-Ingenieur Gustav Mauthe
* die Firma Richard Weiss („Präzisionsdrehteile seit 1946“) in Egesheim, Inhaber: Gerold Weiss
* der Betrieb „Elektro Moser“ in Obernheim

Laut Medienberichten ließen sich später zwei weitere Firmen als Unterstützer auf das Plakat aufnehmen:
* die Firma Lumpp in Mahlstetten
* die Firma Baier in Wellendingen

AfD-Direktkandidat Dubrako Mandic als Brandredner bei PEGIDA

Neben anderen anderen Rednern sprach der AfD-Direktkandidat Dubravko Mandic aus Freiburg, der für die AfD im Wahlkreis Tübingen-Hechingen kandidiert am 18. September 2017 bei der 126. PEGIDA-Demonstration im 35. Monat in Dresden.

Mandic bei PEGIDA
Dubravko Mandic im Gespräch mit Siegfried Däbritz

Die Redner Sigfried Däbritz und Lutz Bachmann hatten schon in ihren Redebeiträgen den Ton vorgegeben. Da war die Rede von der „Volkstod-Kanzlerin Merkel“ und „Fast-Sonderschüler-Kanzlerkandidat Gabriel“.
Mandic stimmte in seiner Rede in diese Tonlage ein. Er begrüßte das PEGIDA-Publikum in Dresden als „Hauptstadt des deutschen Widerstandes“. Er wetterte gegen die „kulturmarxistische Propaganda“ und beschwor die deutschen Ahnen: „In jedem Deutschen schlummert Hermann der Cherusker. Diese Ahnen wollen wir beschwören.“
Dabei verwies er auf den römischen Historiker Tacitus und was dieser über die alten Germanen geschrieben hätte. Dem Laien-Historiker Mandic ist dabei aber entgangen, dass Tacitus gar nicht so sehr über die Germanen schrieb sondern vielmehr diese als Projektionsfläche nutzte, um die römische Gesellschaft zu kritisieren, indem er dieser einen positiven Spiegel vorhielt.
Ansonsten wetterte Mandic gegen „one World“, „Mammon“ und das „Finanzkapital“, welches nach Mandic die globalen Flüchtlingsströme koordinieren würde. Viele Expert*innen würden Mandic für seine Rede eine Anschlussfähigkeit an verschwörungsantisemitische Weltbilder attestieren.
Zum Schluss forderte er noch „die Feinde dieses Volkes aus dem Bundestag [zu] jagen“.

AfD-Direktkandidat Volker Münz ist Mitglied in rechten Orden

Volker Münz (* 1964) aus Uhingen kandidiert zur Bundestagswahl 2017 im Kreis Göppingen. Wie Bilder belegen ist der AfD-Direktkandidat Volker Münz Mitglied des Laienordens „ORDO MILITIAE CRUCIS TEMPLI – Tempelritterorden e. V.“ (OMCT).

Volker Münz als OMCT-Mitglied
Bildquellen: Facebook-Präsenzen von Volker Münz und OMCT

Offenbar bewegt sich der Orden inhaltlich auf AfD-Linie. Ein Templer-Vertreter meinte im Pressegespräch 2010:

„Die Templer mischen sich ein. Sie scheuen sich auch nicht, die politische Verlogenheit beim Namen zu nennen und sich vor die Menschen zu stellen, die, wie es jetzt wieder mit Sarrazin geschieht, vor den falschen politischen Wagen gespannt werden. Eva Hermann, Ex-Bundespräsident Horst Köhler oder Erika Steinbach sind nur ein paar Beispiele einer Politik, die zu immer mehr Politikverdrossenheit führt“

Münz ist auch Mitglied der „Christen in der AfD“ (ChrAfD) und Unterzeichner der „Erfurter Resolution“.

Hat die AfD-Spitzenkandidatin Weidel ein rechtsradikales Weltbild?

Die „Welt am Sonntag“ veröffentlichte am 10. September eine Email, die von der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel stammen soll und auf den 24. Februar 2013 datiert ist. Damals war Weidel in der AfD-Vorfeldorganisation „Wahlalternative 2013“ aktiv. Der Empfänger, ein ehemaliger Bekannter Weidels, versichert eidesstattlich das die Email authentisch sei.
Hier die gesamte Email im Original-Wortlaut:

„Lieber JXXXXX

Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden. Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen. Lies doch mal diesen Link durch zur „Souveraenitat“ Deutschlands. Dass D gar nicht souveraen ist, duerfte doch fuer den ekelhaften Fatalismus in der Tagespolitik z.B unsere Enteignung durch die Eurorettung, korrumpierte Judikative (Bundesverfassungsgericht) erhellend sein … mehr dazu ein anderes Mal: http://terra-kurier.de/deutschland.htm

Liebe Gruesse,
Lille“

Weidel-Email

Partei-FreundInnen verneinten Weidels Urheberschaft, ebenso wie sie selbst.
Sollte diese Email tatsächlich authentisch sein, dann hat Weidel eindeutig ein rechtsradikales und verschwörungsideologisches Weltbild. Der Link führt zu einer Homepage von esoterischen und verschwörungsideologischen Rechtsradikalen.
Ein Hinweis darauf dass Weidel privat extrem rechten Verschwörungsideologien anhängt war ein Text von ihr auf Facebook, in dem sie von „Schuldkult“ schrieb:

„Nach 1945: Aus dem kollektiven Gedächtnis erfolgreich gelöscht. Die Gräueltaten an der deutschen Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg. Man hat gewartet bis die Zeugengeneration stirbt, um für immer zu schweigen. Denn es mag so gar nicht zu dem Schuldkult passen.“

Das klingt vom Ton tatsächlich wie in der Email.