Archiv der Kategorie 'Antifeminismus'

AfD-Abgeordneter Gedeon will rechte Korrektur des AfD-Bundesparteiprogramm-Entwurfes

Am 30. April und 1. Mai 2016 soll in Stuttgart der AfD-Bundesprogrammenparteitag stattfinden. Hier soll ein Bundesparteiprogramm beschlossen werden. Dazu gibt es drei Entwürfe und zahlreiche Änderungsanträge. Einer dieser Entwürfe stammt von Wolfgang Gedeon, einem der 23 neuen AfD-Landtagsabgeordneten und wird von seinem AfD-Kreisverband Konstanz unterstützt.
Konstanzer Alternative zum AfD-Programmentwurf
Dieser „Konstanzer Entwurf eines Grundsatzprogramms der AfD“ enthält kaum konkrete politische Forderungen, beinhaltet eher eine allgemeine ideologische Ausführungen. Diese sind deutlich rechts von dem von der Parteiprogrammkommission eingereichten Programm-Entwurf einzuordnen.

Nach einer längeren Bezugaufnahme auf die griechische Antike finden sich Aussagen, die sonst eher im Reichsbürger-Spektrum auftauchen:

„Das Zweite Deutsche Reich existiert in Form der Bundesrepublik Deutschland rechtlich noch immer, ist aber faktisch, was seinen geistigen Kern anlangt, mit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918 untergegangen.“

Ansonsten findet sich zuhauf Antiamerikanismus:

„Während man in der ganzen Welt mit großem Pathos die Universalität der Menschenrechte einforderte, führte man zuhause die Negersklaverei ein und rottete die Indianer per Genozid aus. Bigotte Selbstüberschätzung gehörte von Anfang an zur Grundausstattung des amerikanischen Menschenrechtsglaubens und manifestiert sich auch heute noch in der politischen Praxis der USA: Was ein Menschenrecht ist, bestimmen wir, die Amerikaner, und was auch immer wir tun, ist eben eine Verwirklichung dieser „Menschenrechte“!“

Neben den USA ist auch der Islamismus, wobei offenbar ‚der Islam‘ gemeint ist, der große Feind:

„Nach der Emanzipation Deutschlands von der Supermacht USA ist die Bedrohung durch den Islamismus das zweite große Problem deutscher Politik. Es ist das Ziel des Islam von Mohammed bis heute, die Ungläubigen, und damit meint man nicht zuletzt die Christen, seiner religiösen und politischen Herrschaft zu unterwerfen. Dies gilt für den politischen wie für den dschihadistischen Islam in gleicher Weise, wobei der dschihadistische von vornherein auf militärische d.h. terroristische Gewalt setzt, der politische dagegen auf Massenzuwanderung, auf Demographie (junge Moslems gegen alte Deutsche), auf Parallelgesellschaften und schließlich auf Zeit.“

Es wird eine Verschwörung im Hintergrund angedeutet, wenn es heißt: „Die Islamisierung der deutschen Gesellschaft ist ein gesteuerter Prozess“.
Auch hier sollen wieder die USA Schuld sein:

„Die Türken stellen den USA ihr Land weiterhin als für die amerikanische Geopolitik essenziellen NATO-Standort zur Verfügung. Dafür unterstützen die USA die muslimische Massenzuwanderung nach Europa und einen baldigen EU-Beitritt der Türkei – gegen den Widerstand der Europäer.

Gegen USA und Islam wird die deutsche Identität gesetzt, die wie folgt definiert wird:

„Unsere ethnokulturelle Identität ist deutsch-europäisch, wobei wir das geistige, sprich kulturelle Moment stärker gewichten als das ethnisch-biologische. Letzteres verwerfen wir nicht, relativieren es aber und unterstellen es dem Primat der Kultur. Identität in unserem Sinn ist deshalb nicht exklusiv: Sie schließt Zuwanderer mit anderer Herkunft nicht aus, erwartet von ihnen aber eine kulturelle Anpassung an die aufnehmende Gesellschaft. Integration in diesem Sinne bedeutet neben wirtschaftlicher Selbstversorgung (Unabhängigkeit von Sozialtransfers) vor allem Anerkennung der deutsch-europäischen Leitkultur.“

Wie in der extremen Rechten übrig wird Homogenität eingefordert: „Wir wollen eine kulturell homogene bzw. gemäßigt heterogene Gesellschaft nach dem Suppe-Salz-Prinzip: ein bisschen Salz ist unabdingbar, eine größere Menge macht die Suppe ungenießbar!“

Es wird noch einmal zusammengefasst:

„Diese drei Kulturen bzw. Zivilisationen stehen sich heute im innereuropäischen Kampf der Kulturen gegenüber. Dabei müssen wir unsere ursprüngliche europäische Kultur gegen die nichteuropäischen – amerikanischen und islamischen – Herausforderer verteidigen und damit Europa wieder in die geistige Mitte zwischen den globalen Extremen stellen.“

Auch gegen den Laizismus wird Stellung bezogen, stattdessen wird das Christentum propagiert:

„Das Christentum kann und darf in Europa nicht wie eine x-beliebige Religion behandelt werden. Es kann und darf hier eine kulturelle Privilegierung beanspruchen, und europäische Politik bedeutet von ihrem Wesen her, Tradition und Demokratie und damit Christentum und Aufklärung harmonisch in Einklang zu bringen.“

Der Islam soll dagegen mit Demokratie nicht vereinbar sein:

„Religionssoziologisch ergibt sich daraus, dass der Islam mit seiner extrem patriarchalischen Theologie mit wirklicher Demokratie nicht vereinbar ist.“

Es geht also gegen Islam und Laizismus:

„Die AfD verteidigt eine deutscheuropäische Leitkultur mit ihren christlichen Wurzeln deshalb an zwei Fronten: gegen den westlichen Laizismus wie auch den Islamismus in seinen verschiedenen Ausprägungen!“

Der Islamismus wird in dem Entwurf als ‚rechte Gefahr‘ definiert:

„Sicherlich gibt es auch tatsächlich eine rechte Gefahr, aber sie ist kaum mehr konventionell nationalsozialistisch, sondern vor allem islamistisch. Denn es sind die Islamisten, die heute dem totalitären Modernismus der Linken einen totalitären Traditionalismus entgegenhalten, wie dies früher in Deutschland die Nationalsozialisten getan haben. Die islamistische Bedrohung aber wird von den linken Humanitaristen bagatellisiert, sie zielen auf die „Rechten“ ab, auf die AfD und damit auf die Mitte der Gesellschaft, auf den „Extremismus der Mitte“.“

Weiter schwadroniert der Entwurf von dem „Weg einer schleichenden Linksfaschisierung in Richtung einer neuen Groß-DDR“.

Für den Entwurf ist die AfD „eine neue Partei für eine neue Zeit“.

Rassismus ist kein Problem, sondern der Antirassismus:

„Deshalb ist für uns nicht eine sog. Fremdenfeindlichkeit, sondern die allgegenwärtige Agitation dagegen das politische Problem. Ist diese Agitation doch vor allem eine flankierende ideologische Kampagne der politischen Klasse, um die deutsche Bevölkerung psychologisch einzuschüchtern und so in unverfrorener Weise eine zutiefst antideutsche Zuwanderungs- und Überfremdungspolitik durchzusetzen.“

Am Ende des Entwurfs heißt es:

„Zusammenfassend will die AfD also
· weniger USA in Europa, mehr Russland;
· weniger Multikulti, mehr deutsche Leitkultur;
· weniger EU, mehr Deutschland;
· weniger Ideologieterror und politisches Diktat, mehr Volksabstimmungen und Demokratie;
· weniger Islam und mehr Christentum;
· und nicht zuletzt: viel mehr Abschiebungen und viel weniger Zuwanderung!“

AfD-Mitglied aus Freiburg als Redner auf der homophoben „Demo für alle“

Queer.de berichtet über den Auftritt von Andreas Schumacher in Freiburg:

AfD-Politiker waren dennoch anwesend. Andreas Schumacher vom Bundesvorstand der „Jungen Alternative“ redete sich in ziemlich publikumswirksame Rage gegen Gender-Lehrstühle, die Millionen an Steuergeldern kosteten. Jährlich fehlten Deutschland zum Fortbestand 400.000 Kinder, daher müsse man für „gesunde Familien“ kämpfen, für „gesunde Kinder“, für eine Zukunft des Landes. Das gehe nur mit einer Ehe aus Mann und Frau. Die Gender-Ideologie sei gegen die Natur und gegen die Wissenschaft, meinte auch Anette Schultner von den „Christen in der AfD“. Es dürfe „keine Toleranz für gesellschaftliche Experimente“ geben, keine „Manipulation“ der Kinder.

„AfD Baden-Württemberg positioniert sich einstimmig gegen den linken Gender-Wahn“

Anti-Gender by AfD-Ulm
Der AfD-Kreisverband Ulm/Alb-Donau hat einen neuen Flyer mit der Überschrift „Wir fordern STOPP Gender Gaga“ herausgebracht. Darin heißt es u.a.: „AfD Baden-Württemberg positioniert sich einstimmig gegen den linken Gender-Wahn“.
Außerdem wird die Streichung aller Stellen von Gleichstellungsbeauftragten gefordert.
Zudem wird ein moderner Sexualkundeunterricht u.a. als „sittenwidriger Eingriff in die Kinderseelen“ bezeichnet.

Gegen „Gender-Ideologie“ und für eine Retradionalisierung der Gesellschaft

Das Feindbild Gendermainstreaming ist als eine Spielart des Antifeminismus durch alle Strömungen der extremen, der christlichen und der konservativen Rechten populär. Nur selten wird aber verstanden, was Gendermainstreaming ist bzw. war, denn diese Regierungs-Programme zur Gleichstellung sind inzwischen ausgelaufen. Statt das zur Kenntnis zu nehmen wird Gendermainstreaming zusammen mit anderen Dingen wie den Gender Studies als „Gender-Ideologie“ dämonisiert. Diese ist nach rechter Lesart eine weltweite Verschwörung zur Auflösung der „natürlichen Geschlechterordnung“. In der politischen Rechten dient das Thema als Einheits-Thema, auf dessen Ablehnung sich alle einigen können. So auch in der AfD Baden-Württemberg, die auf ihrem letzten Parteitag einstimmig einen Beschluss „gegen Gender Mainstreaming / Gender Diversity (Gender-Ideologie)“ verabschiedete.
Darin heißt es:

I. Gender Mainstreaming als durchgängiges politisches Leitprinzip in Form einer Quer-schnittsaufgabe staatlichen Handelns ist auf allen Ebenen unverzüglich und ersatzlos zu beenden, wobei sich diese politische Gesamtforderung im Einzelnen wie folgt begrün-det:
1. Die Alternative für Deutschland hält die politisch-bürokratisch verordnete Nivellierung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen für einen unzulässigen Eingriff des Staates in das private und gesellschaftliche Leben der Menschen, der überdies aus biologischen Gründen zum Scheitern verurteilt ist und eine Verschwendung von Steuergeldern darstellt.
2. Die Alternative für Deutschland hält es für untragbar, dass Mütter, die sich ihren Kindern in Vollzeit widmen wollen, einem politischen und ökonomischen Druck ausgesetzt werden, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen. Die AfD fordert deshalb die Beendigung aller Versuche, Frauen und Ehepaare in dieser Frage zu bevormunden.
3. Die Alternative für Deutschland hält einen Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche, der „zu sexuellem Experimentieren ermutigen soll“, für einen sittenwidrigen Eingriff in die Kinderseelen und für eine schwerwiegende Beeinträchtigung der psychischen und physischen Entwicklung junger Menschen.
4. Die Alternative für Deutschland lehnt die fortschreitende Aushöhlung des Erziehungsrechts von Eltern und dessen Übertragung auf den Staat als unvereinbar mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung sowie mit dem Subsidiaritätsprinzip ab.
5. Die Alternative für Deutschland lehnt geschlechtsbezogene Quotenregelungen für alle Arbeits- und Lebensbereiche, aber auch jede Form der Quotierung nach anderen soziodemographischen Merkmalen ab, da sie den Prinzipien der Chancengleichheit und des freien Wettbewerbs widersprechen.
6. Die Alternative für Deutschland lehnt jegliche staatliche Propaganda – in Schulen, den Massenmedien oder im öffentlichen Raum – für bestimmte sexuelle Orientierungen oder Verhaltensweisen strikt ab. Die Förderung der klassischen Familie ist davon ausgenommen.
7. Die Alternative für Deutschland setzt sich für eine Willkommenskultur für Un- und Neu-geborene ein und wendet sich gegen alle Versuche, Abtreibungen zu bagatellisieren, sie staatlicherseits zu fördern oder sie gar zu einem „Menschenrecht“ zu erklären.
8. Die Alternative für Deutschland weiß sich in diesen Forderungen mit den ethischen Grundsätzen der großen Weltreligionen einig und lehnt es ab, diese auf dem Altar der pseudo-wissenschaftlichen Gender-Ideologie zu opfern.
II. Die Alternative für Deutschland fordert die ersatzlose Rücknahme aller Gesetze und Vorschriften im Sinne der Gender-Ideologie, wie – mindestens – der folgenden:
• Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG)
• Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
• §4 Landeshochschulgesetz Baden-Württemberg u.v.m.
sowie die unverzügliche Einstellung sämtlicher einschlägiger Gesetzgebungsvor-haben.
III. Die Alternative für Deutschland fordert den Entzug sämtlicher Steuer- und Förder-mittel für gender-ideologische Maßnahmen, wie beispielsweise:
• die Streichung aller Stellen für sog. „Gleichstellungsbeauftragte“ (früher: „Frauenbeauf-tragte“)
• die Schließung aller sog. „Diversity Offices“
in allen öffentlich- und privat-rechtlichen Institutionen, sowie:
einen sofortigen Förderstopp für die sogenannten „Gender Studies“ an Hochschulen und Universitäten. Bestehende „Gender“-Lehrstühle sollen traditionellen Studiengängen zugeordnet und bei Aus-scheiden der Stelleninhaber nicht wieder nachbesetzt werden.

Neben solchen unfreiwillig komischen Forderungen, wie der nach einer „Willkommenskultur für Ungeborene“, versteckt sich in diesem Forderungskatalog, der sich angeblich nur gegen Gendermainstreaming richtet, ein ganzes Bündel antifeministischer Forderungen:
Die Ablehnung einer modernen Sexualaufklärung an den Schulen, Verschärfung der Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs, die Entlassung von Gleichheitsbeauftragten oder die Einstellung eines ganzen Forschungszweigs.
Es gibt sogar eine Begründung für diese Forderungen.

1. Gender-Mainstreaming zielt auf einen permanenten „Kampf der Geschlechter“ ab und führt damit zu einer schleichenden Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas.
2. Gender-Mainstreaming führt in seiner Anwendung regelmäßig zur Verletzung von Artikel 1-6 Grundgesetz, insbesondere von Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz, da es mit der Diskriminierung konkreter Personen – in der Regel von Männern – aus ge-schlechtsspezifischen Gründen einhergeht.
3. Die gegen die Natur des Menschen gerichtete Gender-Ideologie ist der wichtigsten bevölkerungspolitischen Herausforderung, vor der Deutschland steht, nämlich die Geburtenrate signifikant zu steigern, in extremer Weise abträglich.

Erste Auswertung des AfD-Landesparteitages in Pforzheim

Am 25. und 26. Juli 2015 fand in Pforzheim der AfD-Landesparteitag statt.
Als Versammlungsleiter fungierte Julian Flak, Beisitzer im Bundesvorstand und stellvertretender Landessprecher der AfD Hamburg.

Hier eine kritische Vorstellung des neuen Landesvorstandes:

Landessprecher ist Lothar Maier. Er war Professor für Verbraucherpolitik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und ist Sprecher des AfD-Kreisverbandes in Stuttgart und AfD-Stadtrat in Stuttgart.
Als ehemaliges SPD-Mitglied (bis 2002) gilt Maier als eher gemäßigt. Jedoch ist er sich für eine
rechtspopulistische Polemik nicht zu Schade. So verglich er Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz
Kuhn 2015 mit einem „DDR-Chefpropagandisten“.

Landessprecher ist Jörg Meuthen (* 1961) aus Karlsruhe. Meuthen ist seit 1997 Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl und zugleich Studiendekan der Fakultät Wirtschafts-, Informations- und Sozialwissenschaften. Von 1993 bis 1996 war er Referent für Grundsatzfragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik im hessischen Finanzministerium.
Meuthen war bereits seit November 2013 Beisitzer des AfD-Landesverband, ist seit Januar 2015 stellv. Sprecher des AfD-Landesverband und ist seit Anfang Juli 2015 stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD. Als Vertreter des Ordoliberalismus wird er dem wirtschaftsliberalen Flügel zugerechnet. Er ist aber trotzdem kein Lucke-Anhänger.
Meuthen ist nur im ökonomischen, nicht aber im gesellschaftspolitischen Bereich liberal. So sagte Meuthen im Interview: „Gesellschaftspolitisch vertrete ich die in unserer Partei glücklicherweise stark vertretenen konservativen und auch aufgeklärt christlichen Positionen.“ Über die CSD-Parade bemerkt er: „Meine Liberalität gebietet mir: Die sollen machen, was sie wollen, aber ich finde diese plakative Zurschaustellung der Sexualität eher geschmacklos.“ Er lehnt auch die gleichberechtigte Homo-Ehe ab.

Ebenfalls Landessprecher ist Dr. Bernd Grimmer (* 1950) aus Pforzheim. Grimmer war bereits seit November 2013 Schriftführer des AfD-Landesverbands, ist Sprecher des AfD-Kreisverbands Pforzheim/Enzkreis und sitzt für die AfD im Stadtrat von Pforzheim. Bereits für die „Unabhängigen Bürger“ saß er im Gemeinderat.
Grimmer ist Vorstandsmitglied des christlich-rechtskonservativen „Pforzheimer Kreis“ in der AfD.
Außerdem war er Vorsitzender der Landesvereinigung der Freien Wähler in Baden-Württemberg und ist Mitglied im deutschtümelnden „Verein Deutsche Sprache“.
Er ist Unterzeichner der „Erfurter Resolution“.

Stellvertretenden Sprecherin ist Dr. Christina Baum aus Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis). Baum war AfD-Listenkandidatin für die Europawahlen 2014 Platz 19 und ist AfD-Kreisvorstandssprecherin Main-Tauber-Kreis. Beim Parteitag im Januar 2015 bewarb sich sich erfolglos um den Sitz als Landessprecherin, in ihrer Bewerbungsrede beklagte sie: „Sie [die Grünen] bekennen sich also ganz eindeutig dazu das Asyl- und Einwanderungsrecht mißbrauchen, um einen schleichenden Genozid der deutschen Bevölkerung hervorzurufen.“
Die Mär vom „Genozid der deutschen Bevölkerung“ kennt man sonst eher aus Neonazi-Kreisen. Trotzdem erhielt Baum bei der Wahl zum Landesvorsitzenden immerhin 198 von 541 Stimmen.
Sie ist Erstunterzeichnerin der „Erfurter Resolution“.

Stellvertretender Sprecher ist Rüdiger Klos.
Er ist Unterzeichner der „Erfurter Resolution“.

Stellvertretender Sprecher bleit Dr. Marc Jongen (* 1968) aus Karlsruhe. Jongen ist Dozent für Philosophie und Assistent von Rektor Peter Sloterdijk an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er ist seit November 2013 stellv. AfD-Landessprecher, war Beisitzer im AfD-Landesvorstand und AfD-Kandidat bei der Bundestagswahl 2013. Zudem ist er Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg. Er verfasste ein „Manifest zur Revolution der Reaktionäre“ und veröffentlichte es im Cicero-Magazin.

Der neue Landesschatzmeister ist Wolfram Hirt, der auch Sprecher des AfD-Kreisverbands Reutlingen ist.

Schriftführer bleibt weiterhin Hans Joachim Kuhs aus Baden-Baden. Kuhs ist Mitbegründer des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg und laut Impressum Verantwortlicher der Website der rechtspopulistischen „Patriotischen Plattform” innerhalb der AfD. Zudem ist er Mitglied des „Pforzheimer Kreis“ und der Gruppierung „Christen in der AfD“ und nahm 2014 am christlich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ in Berlin teil.

Beisitzer ist Sven Kortmann aus Stutensee, eine IT-Führungskraft in der Automobilbranche. Er ist Webmaster der “Kolibri”-Seite, über die sich liberalkonservative AfD-Mitglieder in der AfD koordinierten. Kortmann ist bereits seit November 2013 Beisitzer des AfD-Landesverband, ist AfD-Sonderbeauftragter IT LV Baden-Württemberg und Mitglied im Landesfachausschuss Bildung.
Kortmann ist ein ehemaliges FDP-Mitglied, er war Unterstützer des „Liberalen Aufbruch“ und Vorstandsmitglied der FDP Stutensee.

Beisitzer ist auch Alfred Bamberger geworden. Bamberger ist Sprecher des AfD-Kreisverbandes Pforzheim/Enzkreis.
Er ist Unterzeichner der „Erfurter Resolution“.

Beisitzer bleibt weiterhin Lars-Patrick Berg aus Sigmaringen. Er war Mitarbeiter der ehemaligen AfD-Europaageordneten Bernd Kölmel und Joachim Starbatty. Der Oberstleutnant der Reserve
kritisierte Kölmel für dessen Lucke-Parteinahme: „In den vergangenen Monaten ist die AfD durch teils undurchdachte und stark polarisierende innerparteiliche Aktionen in turbulentes Fahrwasser geraten. Das war aus meiner Sicht völlig unnötig. Hierzu zähle ich auch den Weckruf, der ein missgünstiges Parteiklima geschaffen hat.“

Beisitzer war auch Jan Czada aus Unterkochen bei Kirchheim am Ries. Czada war AfD-Spitzenkandidat für den Wahlkreis Aalen, ist Sprecher des Kreisverbandes Ostalb und AfD-Kreisvorsitzender des Kreisverbands Ostwürttemberg. Er war Landesbeauftragter Baden-Württemberg des Parteivorläufers Wahlalternative 2013 e.V., danach Mitbegründer der AfD und Bezirksbeauftragter Nordwürttemberg der „Jungen Alternative“ (JA).
Czada ist auch Ansprechpartner des christlichen Arbeitskreis Christen in der AfD. Er rief am 28. Januar 2013 zu einer gemeinsamen Liste u. a. mit den Republikanern und „Die Freiheit“ auf
Ein ‚Jan Czada‘ war auch Vorsitzender der 2008 gegründeten „Badischen Bewegung“ und Vorsitzender und Bundesdelegierter des Regionalverbands Ostbrandenburg im Verein Deutsche Sprache e.V..

Neuer Beisitzer im Landesvorstand ist Markus Frohnmaier (* 1991) aus Tübingen. Frohnmaier studiert seit 2011 Rechtswissenschaften in Tübingen mit dem Schwerpunkt Kriminologie.
Er ist seit Mitte Juli 2013 Landesvorsitzender des Jugendverbandes der AfD, seit 2014 Kreissprecher der AfD Sigmaringen und stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender von Tübingen
Frohnmaier gilt unter Expert*innen als ein Vertreter des neurechten Parteiflügels. Er ist auch Mitglied der „Patriotischen Plattform“ und gab an, es gebe „große Gemeinsamkeiten zwischen der JA und dem Studienzentrum“, gemeint ist das deutschnationale „Studienzentrum Weikersheim“.
Als Interviewpartner stand er bereits diversen extrem rechten Medien („Blaue Narzisse Online“, „eigentümlich frei“, „Die Aula“, „Zur Zeit“, „Zuerst!“) zur Verfügung. Er betonte im Gespräch mit „eigentümlich frei“, die AfD sollte sich nach der Europawahl alle Alternativen offen halten und „mit jedem Gespräche führen“, ausdrücklich nannte er dabei die UKIP und die FPÖ.
Er ist Erstunterzeichner der „Erfurter Resolution“.

Beisitzerin ist auch Carola Wolle aus Beilstein geworden. Wolle ist Diplom-Kauffrau, Geschäftsführerin und mit ihrem Mann Dr. Björn Inhaberin von „MSR-Technik Naegele“. Sie ist Beisitzerin der AfD im Kreis Heilbronn.
Sie ist Unterzeichnerin der „Erfurter Resolution“.

Fazit: Ruck hin nach Rechts
Sechs der insgesamt 14 Mitglieder des neuen AfD- Landesvorstand in Baden-Württemberg haben im März 2015 die „Erfurter Resolution“ unterzeichnet. In dieser Resolution wird die AfD als „Bewegung unseres Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte“ und als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“ bezeichnet.
Das zeigt, dass auch in Baden-Württemberg der deutschnationale und neurechte Parteiflügel stark ist. Er dominiert zudem Teile der AfD-Kreisverbände und die AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative Baden-Württemberg“. In diesen Kreisen will man nicht nur eine chauvinistische Euro-Politik und eine neoliberale Wirtschaftspolitik, sondern eine gesamtgesellschaftliche Wende.
Mit dem Weggang von Bernd Kölmel aus der Partei ist das national-neoliberale Lager auch in Baden-Württemberg geschwächt worden. Medien sprechen bereits von einer „NPD light“ und selbst der ehemalige AfD-Europaabgeordnete Henkel warnte vor „NPD im Schafspelz“. Eine Gruppe von Partei-Abtrünnigen schrieb von einem „deutschen Front National“.
In kommenden Wahlkämpfen wird die AfD stärker als Antifeminismus-, als Anti-Zuwanderungs- und als Anti-Islam-Partei auftreten. Der NRW-Landesvorsitzende Marcus Pretzell bezeichnete die AfD beim Parteitag in Essen Anfang Juli 2015 unter Beifall auch als „PEGIDA-Partei“. Pretzell ist übrigens auch Mitglied der Studentenverbindung Corps Saxo-Borussia Heidelberg.
Ob es der AfD bei der Landtagswahl im März 2016 gelingt das Potenzial der früher in Baden-Württemberg aktiven Republikaner abzuschöpfen und die 5%-Hürde zu überspringen bleibt aber ungewiss. Immerhin tritt einiges an Konkurrenz rechts von der CDU an: Die NPD, die Republikaner, die AfD-Abspaltung ALFA, das christlich-fundamentalistische „Bündnis C“ und selbst PEGIDA will EinzelkandidatInnen aufstellen.